Mit Fastentag die Verwaltung verschlanken

Erfurt  Sindy Malsch tritt für die „Partei“ als OB-Kandidatin an.

Sindy Malsch will im April Erfurter Oberbürgermeisterin werden.

Sindy Malsch will im April Erfurter Oberbürgermeisterin werden.

Foto: Holger Wetzel

Sindy Malsch weiß schon seit zwei Jahren, dass sie Erfurter Oberbürgermeisterin werden will. „Damals schien Herr Bausewein keinen Bock mehr auf sein Amt zu haben“, sagt die Kandidatin der „Partei“ (DIE PARTEI). „Und auch bei uns wollte es kein anderer machen.“ Seit einigen Tagen besitzt die Erfurterin, die nach eigenen Angaben nicht nur die Frauen-, sondern auch die Faulenquote erfüllt, das offizielle Mandat des Ortsverbandes.

Wird Malsch gewählt, möchte sie zuerst die Verwaltung verschlanken. „Ich werde daher einen regelmäßigen Fastentag einführen“, kündigt die Kandidatin an. „Außerdem werde ich die Hälfte der Stellen streichen – am liebsten rot.“

„Die Partei“ heißt mit vollem Namen „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“. Sie wurde 2004 von Mitgliedern des Satire-Magazins „Titanic“ gegründet, um einer gefühlten Politikverdrossenheit im Land zu begegnen.

Zunehmend fasst die Partei auch in Erfurt Fuß. „Wir wollen aber nicht in die Ecke einer Spaßpartei gerückt werden“, betont Malsch. „Diese Ecke wird schon von der FDP besetzt.“

Als „Partei der extremen Mitte“ sehen sich die Mitglieder als linker als die Linken und zugleich rechts von der NPD, erläutert Malsch. „Es ist reiner Zufall, dass bei uns alle Mitglieder eher nach links tendieren“, sagt die Kandidatin. Sie ist Anfang 30 und arbeitet bei der Berufsgenossenschaft.

Das vorläufige Wahlprogramm sieht zum Beispiel vor, Erfurt zu einem Hochseehafen zu machen, um schrittweise von der Logistik wegzukommen. Der Mangel an Wohnraum soll durch virtuelle „Holowohnungen“ beseitigt werden, die preiswert in die Luft projiziert werden, zum Teil auch als Sozialholowohnungen. Mit der virtuellen Methode lasse sich auch die Platznot an Schulen bekämpfen.

Die Gera soll in „Erfurt“ umbenannt werden, um Touristen nicht zu verwirren. Aus reinem Spaß erhalten Platznamen ein „t“ am Ende und werden zum Beispiel zum Willy-Brandt-Platzt. Eine „nichtraucherfreie Zone“ soll mehr Mittelalterflair in die Altstadt bringen. Parkautomaten werden auf die ganze Stadt „bis zu Bauseweins Haus“ ausgeweitet.

Die Bundesgartenschau 2021 stelle die Partei nicht in Frage, sagt Malsch. „Ich habe zwar mit Blumen nicht viel am Hut, aber ich kann da bestimmt gut was heucheln“, meint sie.

Das Wahlprogramm gibt es auch in einer Kurzfassung. „Was Herr Bausewein verspricht, machen wir einfach – plus eins“, sagt Malsch. Ein eigenes Versprechen kommt noch hinzu: Freibier für alle. „Das fördert zugleich die Wirtschaft und ist wirkungsvoller als ein kostenloser ÖPNV“, sagt Malsch. „Bier spricht alle an.“

Malsch kündigt eine „Wahlkampftour mit viel Spaß“ an und gibt als Ziel „100 plus x“ aus. „Das werden wir auch erreichen“, gibt sich Malsch überzeugt. Zunächst müssen aber die 200 Unterstützer-Unterschriften zusammen kommen, die zur Wahlteilnahme berechtigen. Unterschriften können im Bürgeramt geleistet werden.