Mittelstandspräsident Ohoven: "Keine Tabus beim Sparen"

Mario Ohoven (64), Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, stellt die medizinische Rundumversorgung in Frage.

Hält nicht viel von der medizinische Rundumversorgung. Foto: Alexander Volkmann

Hält nicht viel von der medizinische Rundumversorgung. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Ist dieses Gesundheitssystem noch zukunftsfähig?

Ein klares Nein. Das jetzige Gesundheitssystem ist zum einen nicht demografiefest, denn auf immer weniger Zahler kommen immer mehr Leistungsempfänger zu. Zum anderen laufen die Kosten weiter aus dem Ruder.

Die Regierung wollte die Kassenbeiträge nicht erhöhen - jetzt tut sie es doch.

Der Unmut bei den Geringverdienern wird sich diesmal in Grenzen halten, da bei dieser Gruppe die Zusatzbeiträge durch den Sozialausgleich abgefedert werden. Anders sieht es bei den mittleren Einkommen aus, für die es keinen Sozialausgleich gibt. Die trifft es doppelt: mit höheren Beiträgen und einer steigenden Zusatzprämie. Von wegen "Mehr Netto vom Brutto". Kanzlerin Merkel wird da ein großes Glaubwürdigkeitsproblem haben.

Gibt es keine anderen Alternativen, um das Finanzloch der Kassen zu stopfen?

Das Gesundheitssystem müsste radikal umstrukturiert werden. Der Hebel muss auf der Ausgabenseite angesetzt werden. Das beginnt beim Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und endet bei der Gretchenfrage, ob alle Versicherten immer den maximalen medizinischen Standard erwarten können und dürfen.

Das aber ist total vermintes Terrain . . .

. . . deshalb sind ja bisher alle Reformbemühungen gescheitert. Ich sage das hier mit aller Deutlichkeit: Wir werden uns das gewohnte Rundum-sorgenfrei-Paket in der Krankenversicherung in Zukunft nicht mehr leisten können. Beim Sparen darf es keine Tabus geben, selbst wenn es um heilige Kühe wie die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen geht.

Wo würden Sie ansetzen?

In eigentlich allen Bereichen. Wir brauchen beispielsweise nicht dutzende Kleinstkrankenkassen mit entsprechend vielen Vorständen. Zu allererst aber fordere ich eine Entideologisierung der Debatte. Zahllose Reform-Kommissionen haben vernünftige Vorschläge zuhauf auf den Tisch gelegt, die müssten nur endlich auch einmal von der Politik umgesetzt werden.

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