Nach Tweet für Kurden: Morddrohungen gegen Ramelow

Erfurt  Nach mehreren Tweets, in denen sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow für die Kurden in Afrin einsetzte, veröffentlichten Gegner neben Drohungen auch sexualisierte Darstellungen von Ramelows Frau.

Bodo Ramelow (Linke) mit seinem Handy. Archivfoto: Sebastian Willnow

Foto: Sebastian Willnow

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erhält nach eigenen Angaben Morddrohungen, nachdem er sich auf Twitter für die Kurden in Afrin im Nordwesten Syriens eingesetzt hat. Die Drohungen reichten von Äußerungen wie «In den Särgen ist noch Platz» bis zu angedrohten Kopfschüssen, sagte Ramelow am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Shitstorm gegen ihn, bei dem er auch massiv beschimpft werde, habe in der Nacht zum Samstag begonnen, als er einen pro-kurdischen Tweet der Vorsitzenden der Hamburger Linksfraktion, Cansu Özdemir, mit «YPG,YPG,YPG ....» beantwortet hatte. Die YPG ist eine Kurdenmiliz, die als Teil der Koalition gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Norden Syriens aktiv ist.

Danach sei in der Nacht zum Samstag eine Fotomontage mit sexualisierten Fotos seiner Frau aufgetaucht, sagte Ramelow. Die Twitteraccounts deuteten sowohl auf Absender in der Türkei als auch in Deutschland hin. Dies habe er dem Kurznachrichtendienst als Straftat gemeldet. Die Fotos seien seines Wissens mittlerweile von Twitter gelöscht worden.

Türkische Truppen und syrische Verbündete hatten im Januar eine Offensive in der nordsyrischen Region Afrin begonnen. Erklärtes Ziel der türkischen Führung ist es, die YPG von der Grenze zu vertreiben. Ankara sieht die YPG als syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Kritiker halten den Militäreinsatz für völkerrechtswidrig.

Ramelow bekundete auch in weiteren Tweets seine Solidarität mit den Kurden. «Afrin steht für Selbstbestimmung und jeder Beschuss oder Angriff durch einen NATO Partner empfinde ich als Schlag gegen unsere Werte und unsere Freiheit! Es ist der offene Bruch des Völkerrechts! Solidarität mit (...) Afrin!», heißt es dort beispielsweise.

Viele Twitter-Nutzer sprechen Ramelow Mut zu, darunter auch Linke-Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow, und vermuten hinter den Drohungen türkische Nationalisten, von denen er sich nicht einschüchtern lassen solle.

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