Nachgefragt: Ex-Chef der Fraktion tritt aus CDU aus

Mühlhausen. Bernd Röttig über Siege und Niederlagen und seine weitere politische Arbeit.

Bernd Röttig will sich aus der Politik nicht verabschieden, aber von der CDU. Foto: Daniel Volkmann

Bernd Röttig will sich aus der Politik nicht verabschieden, aber von der CDU. Foto: Daniel Volkmann

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Nach mehr als 20 Jahren in der CDU hat der ehemalige Kreisvorsitzende, Bernd Röttig (70) aus Mühlhausen, jetzt seinen Parteiaustritt verkündet. Auch für die Stadtratsfraktion seiner (ehemaligen) Partei steht er nicht mehr zur Verfügung (unsere Zeitung berichtete). Wir sprachen mit ihm.

Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Wenn ein ehemaliger Vorsitzender des Kreisverbands Unstrut-Hainich nach über 20 Jahren aus der CDU austritt, hat er vermutlich triftige Gründe. Wenn aufgrund des Wandels der CDU in wesentlichen Punkten keine Übereinstimmung mehr besteht, ist die Trennung unvermeidlich.

Zum Beispiel?

Die CDU ist, gemeinsam mit der breiten Mehrheit des Bundestags, für die Niedrigzinspolitik verantwortlich, die Millionen Sparer kalt enteignet. Gleichzeitig ruft sie die Bürger zu privater Altersvorsorge auf. Mehr Heuchelei geht nicht.

Die Querelen in Ihrer Stadtratsfraktion, wie beim Besetzen der Spitzenpositionen für die aktuelle Stadtratsliste, haben nicht zu Ihrem Entschluss beigetragen?

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Haltung der Fraktion zum geplanten Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft. Die Folgen für die Mieter können immens sein.

Was sehen Sie als größten Erfolg Ihrer Arbeit an?

Viele Städte haben durch hoch spekulative Zinswetten Millionenverluste eingefahren. Dank der guten Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum konnte ich dazu beitragen, dass Mühlhausen nicht in diese Falle gegangen ist.

Die größte Niederlage?

Dass ich zu meiner Zeit im Kreistag den Verkauf der Altenheime nicht verhindern konnte.

Bedeutet der Austritt aus der CDU das Ende der kommunalpolitischen Arbeit?

Sollte die Unzufriedenheit mit dem Treiben der Parteien bei Bürgern zu der Erkenntnis führen, dass es Zeit sei, sich einzumischen, bevor es zu spät ist, werde ich sie gern unterstützen.