Naturschützer kritisieren wolfsfeindliche Resolution der CDU

Jena  Der Naturschutzbund Thüringen wirft den Christdemokraten in einem offenen Brief vor, unnötige Ängste zu schüren.

Der bisher einzige nachgewiesene Wolf in Thüringen wurde mehrmals bei Ohrdruf gesichtet. Foto: S. Böttner/Nabu

Der bisher einzige nachgewiesene Wolf in Thüringen wurde mehrmals bei Ohrdruf gesichtet. Foto: S. Böttner/Nabu

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In einem offenen Brief an die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Christina Tasch, kritisiert der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen die sogenannte Dresdner Resolution. Diese haben die umweltpolitischen Sprecher der CDU/CSU am 14. November in Dresden zum Wolfsmanagement in Deutschland verabschiedet. Statt Lösungsansätze zum Miteinander von Mensch und Wolf seitens der Politik zu präsentieren, würden fast ausschließlich überholte Forderungen, wie zum Beispiel eine Prüfung der Möglichkeit, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, postuliert, so der Nabu.

Schon einmal wurde der Wolf vom Menschen fast ausgerottet, deshalb bezeichnen die Naturschützer diese Forderung als Rückschritt ins Mittelalter, wie sie in einer Mitteilung erklären. „Das Ansinnen, den Wolf ins Jagdgesetz zu überführen, offenbart den Wunsch, den unliebsamen Beutegreifer und damit Konkurrenten einfacher dezimieren zu können. Als Gründe werden zu hohe Populationen, vermehrte Übergriffe auf Haustiere und sogenannte Problemwölfe angeführt“, sagt Mike Jessat der Landesvorsitzende des Nabu Thüringen.

„Sollte die Notwendigkeit bestehen, dass regulierend eingegriffen werden muss, dann gehört diese Entscheidung in die Hand des behördlichen Naturschutzes und nicht in die der Jagd. Das trifft übrigens auch auf die Arten zu, die historisch das gleiche Schicksal teilten wie der Wolf. Das sind unter anderem Luchs, Wildkatze, Fischotter und alle Greifvögel“, stellt der Nabu-Chef klar. „Wenn es zum Beispiel Probleme beim Herdenschutz gibt, dann müssen geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich die Weidetierhalter nicht alleine gelassen fühlen. In Thüringen gibt es dafür nicht umsonst einen Wolfsmanagementplan.“

Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht löse keinerlei Konflikte in Bezug auf den Herdenschutz oder auch auf den Umgang mit auffälligen Wölfen. Auch unter den heutigen gesetzlichen Schutzbestimmungen sei es möglich, im Einzelfall ein Tier zu entnehmen, so der Nabu.

„In der Resolution von CDU/CSU wird unbegründet mit den Ängsten der Bevölkerung gespielt. Dies führt zu einer unnötigen Emotionalisierung der Wolfsdebatte“, so Jessat. Laut Nabu werde mit unseriösen Angaben gearbeitet. So lasse sich zum Beispiel die Behauptung, die Anzahl junger Wölfe, die weniger Scheu gegenüber Menschen zeigen, habe zugenommen, nicht belegen. „Es ist schade, dass sich CDU und CSU nicht ihrer Verantwortung bewusst sind und mit einer derartigen Resolution Ängste schüren, statt sachlich aufzuklären“, so Jessat.

Die Naturschützer vermissen in der Diskussion eine deutliche Positionierung der CDU und CSU zu einer Koexistenz von Mensch und Wolf.

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