Nazi-Vergleich: Thüringer Linke distanziert sich von Ramelow

Erfurt. Nachdem Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine Protestveranstaltung gegen die AfD mit „Nazi-Methoden“ verglichen hatte, geht seine Partei jetzt auf Distanz zu ihm.

Nachdem Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine Protestveranstaltung gegen die AfD mit „Nazi-Methoden“ verglichen hatte, geht seine Partei jetzt auf Distanz zu ihm. Foto: Alexander Volkmann

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Die Thüringer Linke streitet sich über eine geplante Demonstration gegen AfD-Landeschef Björn Höcke. Der stellvertretende Landesvorsitzende Steffen Dittes distanzierte sich von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der zuvor die Protestveranstaltung mit „Nazi-Methoden“ verglichen hatte .

Die Kritik an der Demonstration könne er teilweise nachvollziehen, sagte der Landesvize unserer Zeitung. Allerdings halte er die Wortwahl für „ungeeignet.“ Der Begriff „Nazi-Methoden“ stehe heute für die Verbrechen der NS-Herrschaft insgesamt und könne nicht in diesem Kontext vergleichend verwendet werden. Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow lehnte es auf Anfrage unserer Zeitung ab, sich hinter Ramelow zu stellen. „Ich sage nichts dazu“, erklärte sie.

Im Internet werben zurzeit Vereinigungen wie „Antideutsche Aktion Berlin“, „Antifaschistische Gruppen Halle“ und „Association Progrès Eichsfeld“ für die Veranstaltung. Das Dorf Bornhagen mit seinen etwa 300 Einwohnern stehe „pars pro toto für die Dutzenden Käffer, in denen die Alternative Futterneid, Enthemmung und Wutbürgertum“ bedeute, heißt es in dem Aufruf. „Vermiesen wir dem Thüringer AfD-Häuptling und seinem Wahlvolk durch unsere bloße Anwesenheit ihr Himmelfahrtsvergnügen und sagen: Go straight to Hell!“ („Geh direkt in die Hölle!“).

Zustimmung von AfD-Vize von Storch

Ramelow hatte den Plan der Antifa mit dem Vorgehen der NSDAP verglichen. „Das gehört sich nicht!“, erklärte er im sozialen Netzwerk Twitter. „Vor Privathäusern von Politikern zu demonstrieren geht gar nicht. Egal, von wem und gegen wen!“ Der Zweck heilige nicht die Mittel.

Zustimmung bekam der Thüringer Ministerpräsident über Twitter von Beatrix von Storch: „Bodo #Ramelow hat Recht: die #Antifa hat Demokratie nicht verstanden“, schreibt die stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD).

Junge Union: Eichsfeld-Dörfer keine „Käffer“

Auch die Eichsfelder Junge Union verurteilte die geplante Demo. Der stellvertretende JU-Vorsitzende im Eichsfeld, Marcel Schwetschenau, erklärte: „Kritik an Björn Höcke und seiner rechtspopulistischen Partei sind für uns von großer Bedeutung. Doch setzen wir hier auf politische Alternativen, statt auf Einschüchterung“. Die Absicht, in der Nähe Höckes Wohnhauses zu demonstrieren, sei „ für uns ein rotes Tuch, da wir die Privatsphäre eines jeden achten.“

Außerdem stört sich die Junge Union „massiv an der Verwendung des Wortes Käffer im Rahmen der Beschreibung der Umgebung Bornhagens“. Das Eichsfeld sei ländlich geprägt und seine Dörfer teilweise nicht groß, die Abwertung durch den Begriff „Käffer“ toleriere die Junge Union dennoch nicht, betonte Schwetschenau.

Die Behauptung, dass die umliegenden Dörfer ein Nährboden für rechtsextremes Gedankengut sein sollen, sei „durch nichts belegt und unserer Auffassung nach unhaltbar“.

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