Neuauflage für SPD-Eklat: Abgeordneter lädt Sarrazin vor Landtagswahl nach Thüringen ein

Erfurt  Der frühere AfD-Politiker Oskar Helmerich (SPD) geht erneut auf Konfrontation mit seiner Partei und lädt den umstrittenen Autoren Thilo Sarrazin zu einer Veranstaltung nach Thüringen ein.

Bereits im Mai hatte Oskar Helmerich (rechts) Thilo Sarrazin zu einer Lesung nach Thüringen eingeladen.

Bereits im Mai hatte Oskar Helmerich (rechts) Thilo Sarrazin zu einer Lesung nach Thüringen eingeladen.

Foto: Holger John

Er will es wieder tun: Wenige Tage vor der Thüringer Landtagswahl am 27. Oktober hat der SPD-Landtagsabgeordnete Oskar Helmerich den umstrittenen Autoren Thilo Sarrazin erneut zu einer Veranstaltung nach Thüringen eingeladen. Geplant sei eine Lesung in Pößneck am 23. Oktober, sagte er dieser Zeitung.

Auf Nachfrage erklärte er, dass die Veranstaltung nicht mit der Landespartei abgestimmt sei. Die Thüringer SPD wollte die Ankündigung nicht kommentieren. Man nehme die persönliche Wahlkampfplanung des Abgeordneten zur Kenntnis, sagte Landesgeschäftsführerin Anja Zachow.

Erst im Mai dieses Jahres hatte Helmerich mit einer Sarrazin-Lesung unmittelbar vor der Europa- und Kommunalwahl für einen Eklat in der Landespartei gesorgt, über den bundesweit berichtet wurde. Die Landespartei wirkte damals gespalten. Während sich Landeschef Wolfgang Tiefensee von der Veranstaltung formal distanzierte und die Jusos sogar den Parteiausschluss des Abgeordneten forderten, solidarisierten sich mehrere Landräte mit Helmerich.

Keine Podiumsdebatte mit Kritikern des Autors geplant

So wie in Erfurt soll Sarrazin in Pößneck aus seinem aktuellen, bereits 2018 erschienenen Buch lesen. Titel: „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Allerdings sei diesmal keine Podiumsdebatte mit Kritikern des Autors geplant, sagte der Abgeordnete. Es gebe dafür dann mehr Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Helmerich ist Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Saale-Orla-Kreis II. Seine Chancen auf einen Wiedereinzug in den Landtag tendieren allerdings gen Null, nach dem Streit um Sarrazin wurde er bei der Aufstellung der Landesliste nicht mehr berücksichtigt. Auch sonst sind die Aussichten schlecht: Landesweit steht die Partei derzeit in den Umfragen zwischen 7 und 9 Prozent.

Der Abgeordnete war 2014 für die AfD in das Thüringer Parlament gewählt worden, auf Listenplatz 2 hinter Spitzenkandidat Björn Höcke. Ein Jahr später trat er aus der Partei aus, später wechselte er in die SPD-Fraktion.

Derzeit läuft das dritte Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin

Auch der frühere Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand Sarrazin ist SPD-Mitglied, allerdings läuft gerade das dritte Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Im Juli hatte die Schiedskommission im Berliner Bezirk Charlottenburg-Willmersdorf dem entsprechenden Antrag des SPD-Bundesvorstands stattgegeben. Sarrazin legte dagegen Berufung ein.

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