Neue Stadien in Erfurt und Jena: Streit vor Baubeginn eskaliert

Die Thüringer Union lässt vor dem Beschluss für die Arenen in Erfurt und Jena den Streit mit dem SPD-Wirtschaftsminister eskalieren. Das Wirtschaftlichkeitskonzept für das Stadion in der Landeshauptstadt wird erst für Ende Januar erwartet.

Am 1. Februar soll der Erfurter Stadtrat in einer Sondersitzung über die Finanzierung des geplanten Stadion-Neubaus am Steiger abstimmen. Archivfoto: Frank Steinhorst

Am 1. Februar soll der Erfurter Stadtrat in einer Sondersitzung über die Finanzierung des geplanten Stadion-Neubaus am Steiger abstimmen. Archivfoto: Frank Steinhorst

Foto: zgt

Erfurt. Die Entscheidung fällt in gut zwei Wochen. Am 1. Februar soll der Erfurter Stadtrat in einer Sondersitzung über die Finanzierung des geplanten Stadion-Neubaus am Steiger abstimmen. Einen entsprechenden Terminvorschlag habe Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) in der vergangenen Woche den Fraktionen im Rathaus bereits übermittelt.

Dabei seien die offenen Fragen der Finanzierung des 22-Millionen-Euro-Baus noch immer nicht ausreichend geklärt, sagte der Erfurter CDU-Fraktionschef Michael Panse unserer Zeitung. Umstritten ist besonders die Zulässigkeit einer Förderung durch das Landeswirtschaftsministerium.

Denn die Fördermittel für insgesamt zwei Arenen in Erfurt und Jena in Höhe von 27 Millionen Euro würden aus dem Topf der freistaatlichen Tourismusförderung eingespeist werden. Es ist geplant, die Sportstadien so auszubauen, dass diese künftig auch für Konzerte oder Kongresse genutzt werden können. Der Umweg ist notwendig, da die Förderrichtlinien eine direkte Förderung von reinen Projekten der Sportinfrastruktur untersagen.

Neben Panse warnt auch der CDU-Landtagsfraktionschef Mike Mohring vor dieser Form der alternativen Finanzierung. "Wenn es die Betreibergesellschaft nicht schafft, genügend nicht sportliche Veranstaltungen in die Arena zu locken, drohen Rückzahlungen der Fördermittel in voller Millionenhöhe." Immerhin sei neben dem Land auch der Bund Fördermittelgeber. Hier könne es schon genügen, wenn in einigen Jahren etwa der Rechnungshof die Auslastung als unzureichend rüge.

Denn die Richtlinien zur Vergabe der Fördermittel sind schwammig. Es seien die "touristischen Effekte der Veranstaltungsstätte nachzuweisen". Die Nutzer der nicht sportlichen Veranstaltungen müssten gegenüber den Besuchern der Fußballveranstaltungen einen "nennenswerten" Anteil haben, so ein Sprecher des Landeswirtschaftsministeriums.

Auch die Definition eines Touristen bleibt diffus. "Als Tourist wird der Besucher angesehen, dessen Wohnort in einer gewissen Entfernung vom Veranstaltungsort liegt", heißt es weiter. Doch dürfte es in der Summe schwierig werden, ein nennenswertes touristisches Gegengewicht zu jeweils 20 Liga-Spielen pro Jahr zu etablieren. Immerhin werden im Winter nur eher kleinere Veranstaltungen mit bis zu 2000 Besuchern in den überdachten Räumlichkeiten der geplanten Arena stattfinden können. Zudem fallen in den Sommermonaten die für Großveranstaltungen interessanten Wochenenden alle 14 Tage weg - während der Heimspiele von Erfurt und Jena.

Hinzu kommt: Es liegt für Erfurt noch immer kein Wirtschaftlichkeitskonzept vor. Das immerhin soll bis Ende des Monats nachgeholt werden. Wo all die Großveranstaltungen herkommen sollen, bleibt einstweilen ungeklärt. Dies gilt auch für die Frage, ob der landeseigenen Messe in Erfurt Kunden weggenommen werden. Zudem ist unklar, ob zwei so ähnliche Bauten in nur 50 Kilometern Entfernung voneinander wirtschaftlich zu betreiben sind. "Politik muss doch seriös bleiben", sagt Mohring - und fordert eine ergebnisoffene Diskussion.

Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sieht dagegen Potenziale. Über seinen Sprecher teilte er mit, dass es in Erfurt "eine unzureichend gedeckte Nachfrage an Veranstaltungsräumen" gebe. "Die Errichtung einer Multifunktionsarena wird den Standort Erfurt insgesamt stärken."

Die Antwort auf die Frage, wer für millionenschwere Rückzahlungen aufkommen müsse, falls das Konzept nicht aufgehen sollte, ließ Machnig offen.

Baugeschichte des Steigerwaldstadions

Das Steigerwaldstadion ist ein Fußball- und Leichtathletik-Stadion und fasst knapp 20.000 Zuschauer.

Es wurde am 17. Mai 1931 eröffnet.

Nach dem Krieg wurde das Stadion 1948 als Georgij-Dimitroff-Stadion wiedereröffnet.

Es fasste damals bis zu 50.000 Zuschauer.

1991 erhielt die Arena ihren heutigen Namen Steigerwaldstadion.

1994 entstand eine neue Tribüne für 4000 Zuschauer, 1999 wurde eine neue Flutlichtanlage installiert.

Fußball-Präsidenten von Erfurt und Jena empört über Arena-Zweifler

CDU bezweifelt Wirtschaftlichkeit der Erfurter Multifunktionsarena

Mehr Politik-Nachrichten

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.