Neuer Bürgermeister von Ringleben stellt sich vor

Ringleben  Günter Schmidt ist der neue Bürgermeister von Ringleben. Für den Ort, sagt er, habe der Gemeinderat ein klares Konzept.

Seit 2006 lebt Günter Schmidt in Ringleben und kennt inzwischen die meisten Einwohner. Foto: A. Reiser-Fischer

Seit 2006 lebt Günter Schmidt in Ringleben und kennt inzwischen die meisten Einwohner. Foto: A. Reiser-Fischer

Foto: zgt

Seit Sonntag hat Ringleben einen neuen Bürgermeister: Günter Schmidt ist 65 Jahre, von Beruf Anwalt, verheiratet und seit 2008 Mitglied des Gemeinderates. Fast Dreiviertel der abgegebenen Wahlvorschläge trugen seinen Namen.

Wer etwas über ihn erfahren oder mit ihm besprechen möchte, hat beste Chancen, ihn immer mittwochs bei einem Bier im „Goldenen Stern“, der ortsansässigen Schenke, zu treffen. Oder in seiner Anwaltskanzlei in Erfurt. Oder in seiner Anwalts-Sprechstunde in Andisleben. Oder einfach auf der Straße in Ringleben...

„Eigentlich“, so erzählt er auf Nachfrage, „stamme ich aus Weimar, habe in der DDR den Beruf des Elektrikers gelernt und dann im Weimar-Werk gearbeitet.“ Aber dann machte er seinen Elektromeister, studierte in Leipzig zuerst Maschinenbau – und als er danach vor die Wahl gestellt wurde, noch entweder Ökonomie oder Jura draufzusetzen, stand für ihn fest: „Ökonomie war nicht mein Ding. Also Jura.“

Aus dem Städter wurde ein Landbewohner

Doch mit seinem Jura-Studium geriet er 1990 in die Wende-Zeit. Plötzlich galt bundesdeutsches Recht, neue Prüfungen und Scheine wurden verlangt, bis er schließlich 1992 seine Zulassung als Anwalt erhielt. Zu seinen ersten Arbeitsstationen gehörte übrigens die Verbraucherzentrale Thüringens. Inzwischen kümmert er sich um Konfliktfälle im allgemeinen Zivilrecht, im Straf- und Mietrecht. „Aber auf dem Land geht es auch oft um Erbrecht“, weiß er mittlerweile sehr genau. Denn bereits vor 15 Jahren wurde aus dem Stadtmenschen Günter Schmidt ein Landbewohner. „Wer von meinem Beruf weiß, kommt und da heißt es oft, man habe da mal eine Frage. So kommt man ins Gespräch, lernt die Menschen im Dorf kennen. Ich brauche die persönlichen Kontakte einfach“, erzählt er. Und so wurde Günter Schmidt 2009 in den Ringlebener Gemeinderat gewählt. Bis heute ist er übrigens parteilos, auch wenn seine Fraktion sich als CDU-Fraktion ausweist.

Dass ihn die Ringlebener jetzt zu ihrem Bürgermeister wählten, hat ihn daher keineswegs überrascht. „Wir haben im Gemeinderat einen klaren Fahrplan für den Ort. Daher ist es gar nicht die Frage, ob ich es besser kann als mein Vorgänger“, merkt er trocken an.

Ohnehin sieht er sich vor allem als Pragmatiker. „Ich nehme jeden ernst“, sagt er und dass er kein Freund von schnellen Antworten sei. „Ich denke über alles nach und sage dann aber auch meine Meinung.“

Dazu gehört zum Beispiel, dass Ringleben seine Infrastruktur in den vergangenen Jahren gut geordnet hat, viel in den Straßenbau investiert wurde wie etwa in der Wörthstraße und dass Müllerstraße und Querstraße inzwischen fertig sind.

„Als nächstes müsste das Ensemble noch geschlossen werden in der ‚Lücke‘ und dann müsste der Saal saniert werden“, umreißt er die nächsten Pläne der Gemeinde. Denn der Saal ist enorm wichtig für so ein Dorf“. Schließlich prägen die Vereine wie jener der Feuerwehr, der Dorfclub, der Karnevalsverein und die anderen das Klima im Ort wesentlich mit. Sie brauchen einen Ort für ihr Vereinsleben.

Doch der Saal liegt den Ringlebenern schon seit Jahren auf der Seele. Schon längst hätten sie gern daran etwas verändert, modernisiert, saniert. Allerdings fehlt es der Gemeinde an Geld. Den Haushalt fürs laufende Jahr auf die Beine zu stellen ist regelmäßig ein enormer Kraftakt und war für 2015 zunächst gar nicht möglich.

„Dabei haben wir schon mit einer neuen Satzung die Gebühren für den Friedhof erhöht, auch die Hundesteuer, und inzwischen muss man auch Gebühren zahlen für Werbeträger im Ort. Aber mehr geht nicht. Die Schmerzgrenze bei den Bürgern ist erreicht“, sagt der neue Bürgermeister.

Dabei gäbe es allerlei Ideen der Ringlebener, was man noch verbessern könnte: eine dauerhafte Überdachung für Feste auf dem Dorfplatz, eine Brücke am Friedhof über den Jordan... „Die Leute machen sich Gedanken. Das finde ich gut und das sollten wir aufnehmen.“ – so sieht Günter Schmidt die Sache.

Aber er weiß auch gut, dass unruhige Zeiten bevor stehen. „Was wird mit uns im Zuge der Gebietsreform? Was wird aus unserer Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue? Haben wir dann noch einen eigenen Haushalt?“, das sind Fragen, die ihn umtreiben.

Aber allein ist er damit nicht. Denn da gibt es noch die Bürgermeister der umliegenden Orte, den Gemeinderat und nicht zuletzt die Ringlebener.

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