Nordhäuser OB-Kandidat Kai Buchmann ist „ein Mann, der sich etwas traut“

Nordhausen. OB-Kandidat Kai Buchmann im Interview nach und vor der Wahl:

Kai Buchmann (41), Vater von zwei Kindern, arbeitet als Assistent der Geschäftsführung im Südharz-Klinikum. Demnächst soll sein Arbeitsplatz im Rathaus sein.

Kai Buchmann (41), Vater von zwei Kindern, arbeitet als Assistent der Geschäftsführung im Südharz-Klinikum. Demnächst soll sein Arbeitsplatz im Rathaus sein.

Foto: M. Kneise

Wen hat jeder 3. Wähler am Sonntag mit Ihnen gewählt?

Mit Kai Buchmann keinen Politiker, der geschliffene Sätze sagt und Worte ohne Aussage. Ein Großteil meiner 4500 Wähler kennt mich oder meine Familie, kann mit meinem Namen etwas anfangen. Ich bin für sie als echter Nordhäuser kein Unbekannter, wie behauptet wird.

Welchen Stadtchef bekommt Nordhausen also mit Ihnen?

Einen Mann, der sich etwas traut, Dinge anpacken kann, der Entscheidungen trifft und diese auch vertritt gegen alle Widrigkeiten, und der kämpfen kann, als OB zum Wohl der Stadt.

Kämpfen müssten sie im System der Etablierten, zu denen Sie als Alternative antraten...

Als Verwaltungsleiter hätte ich eigene Aufgaben im Rathaus, im Stadtrat wäre ich abstimmungsberechtigt. Beschlussvorlagen werden dort in der Regel von der Verwaltung eingebracht, für deren Qualität wäre ich also verantwortlich. Ich möchte die Stadt nicht blockieren, sondern voranbringen. Ich werde Vorlagen einbringen, die transparent und verständlich sind und dadurch Mehrheiten finden.

Schlugen Sie mit der Geißelung der „SPD-CDU-Linke-Einheitspolitik“ den Parteien nicht eben die Tür zu?

Damit habe ich das Postengeschacher im Rathaus und dem Umfeld von Nordhausen kritisiert, nicht einzelne Stadtratsmitglieder. Im Stadtrat muss man zusammenfinden.

Haben Sie je überlegt, für eine Partei anzutreten?

2009 bis 2016 war ich sachkundiger Bürger im Finanzausschuss, ab 2011 als Parteimitglied der Bündnisgrünen. Eingetreten war ich nach Fukushima, um mich für den Atomausstieg stark zu machen. Als der beschlossen war, entfiel für mich der Grund einer Mitgliedschaft. Zu anderen Themen, etwa dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan, war ich anderer Meinung.

Wäre es erstrebenswert, vor den Kommunalwahlen 2019 eine Wählergemeinschaft hinter sich zu vereinen?

Dazu mache ich mir konkrete Gedanken, wenn ich OB bin. Als Einzelbewerber für die OB-Wahl habe ich aber ein Beispiel gegeben, wie es funktioniert.

Ihrem Erfolg folgte prompt die Reaktion ihrer CDU-Kontrahentin Inge Klaan, um eine Wahlempfehlung der anderen demokratischen Parteien werben zu wollen...

Ich war etwas irritiert darüber, dass Frau Klaan nun alle Demokraten hinter sich versammeln will. Wie könnte Demokratie besser gelebt werden als mit meiner Kandidatur?

Mit Ihnen ist ein unabhängiger Kandidat aufgestiegen. Inwiefern auch ein kompetenter?

Ich bin Bankkaufmann, habe Wirtschaftswissenschaften studiert und Interkulturelles Management. Ich kann vermitteln, zuhören, Gelder akquirieren, Probleme lösen. Ich habe die nötige intellektuelle Kompetenz, Themen zu durchdringen. Oberbürgermeister ist kein Ausbildungsberuf.

Inge Klaan wirft ihre große Erfahrung in die Waagschale...

Frau Klaan hat genauso viel Erfahrung als Oberbürgermeisterin wie ich.

Was würden Sie anders als sie machen?

Ich möchte die Jugendarbeit, den Sport und das Vereinsleben aktiv unterstützen. Ich kann ein bürgernaher OB sein, als erster Bürger unter vielen. Meine Tür wird immer offenstehen für Bürger, die mit ihren Problemen kommen.

Mehr Bürgerbeteiligung ist eines Ihrer Ziele. Wie wollen Sie das erreichen?

Zu wichtigen Themen will ich Befragungen initiieren, und deren Ergebnis muss im Stadtrat auch gehört werden.

Was wären diese Themen?

Was aktuell alles im Rathaus diskutiert wird, weiß ich nicht. In der Vergangenheit wären das zum Beispiel die Dimensionierung von Bürgerhaus, Albert-Kuntz-Sportpark oder der Flohburg gewesen.

Steckt ein Misstrauen gegenüber den gewählten Parteien dahinter?

Nein, eher wird der Stadtrat mitunter von der Rathausspitze überrannt.

Was war für Sie der Auslöser für Ihre Kandidatur?

Die Diskussion um den vorgezogenen Wahltermin wegen Dr. Zehs Krankheit. Die Kandidatur war für mich die einzige Möglichkeit, eingefahrene Strukturen aufzubrechen, um Nordhausen nach vorn zu bringen.

Nach Ihrem Wahlerfolg jubelten auch die Rechten...

Ich möchte mich entschieden dagegen aussprechen, von diesen Kräften als Kandidat vereinnahmt zu werden.

Als Ihr Unterstützer trat eine Initiative Pro Nordhausen im Wahlkampf auf...

Ich brauche keine Pressemitteilungen dieser Initiative mit meinem Namen. Im Wahlkampf beschränke ich mich auch weiter auf eine Printkampagne einer von mir ausgewählten Agentur. Ein Bekannter hilft mir, Pressetexte zu schreiben. Für einen Straßenwahlkampf fehlen mir die finanziellen wie zeitlichen Ressourcen, auch in den nächsten zwei Wochen.

Was werden Sie in sechs Jahren als OB erreicht haben?

Wir werden immer noch in der Kreisstadt Nordhausen sitzen. Einige technologiegetriebene Unternehmen sollten sich im Industriegebiet angesiedelt haben, der finanzielle Konsolidierungsprozess der Stadt sollte abgeschlossen sein.

Für den 20. September laden wir zum TA-Kamingespräch mit beiden Stichwahl-Kandidaten um 18.30 Uhr in die Cyriaki-Kapelle ein.

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