Nordhausen: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Bürgermeister Jendricke ein

Nordhausen. Genau sechs Monate nachdem eine langjährige Bekannte und Rathaus-Kollegin gegen den Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattete, hat die Staatsanwaltschaft in Mühlhausen ihre Ermittlungen eingestellt. Ein Verfahren wird es nach TA-Informationen nicht geben.

Matthias Jendricke (SPD) wird angeschlagen ins Rathaus zurückkehren.

Matthias Jendricke (SPD) wird angeschlagen ins Rathaus zurückkehren.

Foto: zgt

Offenbar standen am Ende, nach der Befragung zahlreicher Zeugen, keine Anhaltspunkte für die Vorwürfe. Schon vor einigen Wochen hatte ein Gutachten ergeben, dass an jenem Abend im März, im Vorfeld einer Dienstreise, keine K.O.- Tropfen und kein Alkohol im Spiel waren. Ein Seitensprung, der ist dem Bürgermeister moralisch vorzuwerfen. Doch reicht das für den Rausschmiss aus dem Rathaus?

Die Staatsanwaltschaft wird sich am Freitag äußern, hieß es von Dirk Germerodt. Aus dem Rathaus gab es auf TA-Anfrage bisher keinen Kommentar. Und die Kommunalaufsicht mochte noch keine Auskünfte geben. Ihr liegt schon länger ein Antrag vor, die Beurlaubung Jendrickes aufzuheben.

Geklärt werden muss nun, ob und wann Jendricke als Bürgermeister ins Rathaus zurückkehren darf. Erst Donnerstag hatte sich der hochrangige CDU-Mann und Landtagsabgeordnete Egon Primas (CDU) öffentlich geäußert, er könne sich keine Zusammenarbeit mit Jendricke mehr vorstellen. Im Internet-Netzwerk Facebook hagelte es Vorverurteilungen, selbst von prominenten Stadtratsmitgliedern anderer Fraktionen.

Jendricke selbst mochte sich gestern noch nicht zu dem Thema äußern. Er will ebenfalls am Freitag Stellung nehmen, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Mit seinem Antrag auf ein Ende seiner Beurlaubung hatte er aber schon deutlich gemacht, ins Rathaus zurückkehren zu wollen.

Ist eine Zusammenarbeit nach den Zerwürfnissen der vergangenen Monate noch möglich? CDU-Fraktionschef Norbert Klodt ist vorsichtig. "Wir werden die Sache in aller Ruhe politisch bewerten", sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Die politische Antwort müsse nicht zwangsläufig mit der strafrechtlichen Bewertung übereinstimmen. Doch einen Schnellschuss wolle er nicht. Die Fraktion müsse beraten. Das trifft auch auf die anderen Parteien zu.

Zu den Kommentaren