Ohne Marx ins Kanzleramt - Ramelows Premiere in Berlin

Berlin. Bodo Ramelow alleine im Bundesrat: Die Regierungschefs der SPD-Länder lassen den Linken-Politiker bei seiner ersten Ministerpräsidentenkonferenz abblitzen. Mit CDU-Mann Bouffier entdeckt er dagegen Gemeinsamkeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) begrüßt zu Beginn ihres Treffens mit den Mitgliedern der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin den neuen Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Die Linke). Foto: Tim Brakemeier/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, r) begrüßt zu Beginn ihres Treffens mit den Mitgliedern der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin den neuen Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Die Linke). Foto: Tim Brakemeier/dpa

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Die Verehrung Bodo Ramelows für Karl Marx hat Grenzen. Als der neue thüringische Ministerpräsident am Donnerstag erstmals in neuer Funktion nach Berlin kommt, hat er seine kleine rote Statue des berühmten Kapitalismuskritikers nicht dabei. Die Figur hat ihn lange Zeit begleitet und tauchte immer mal wieder auf dem Rednerpult des Linken-Politikers auf.


Ins Kanzleramt darf sie jetzt nicht mit. Bei der Hausherrin hätte das auch einen schlechten Eindruck gemacht. Noch im September hatte Kanzlerin Angela Merkel in der heißen Thüringer Wahlkampfphase gewettert: "Da soll jetzt der Karl Marx in die Staatskanzlei getragen werden. Das kann doch nicht sein."


Also geht es ohne Marx in die Regierungszentrale zum Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Merkel. Die Figur gehöre auch gar nicht ihm selbst, sondern der Thüringer Landtagsfraktion der Linken, sagt Ramelow. Fraktion, das war einmal. Ramelow ist jetzt Chef einer Landesregierung. Und als solcher ist man staatstragend.


Als erster Regierungschef der Linkspartei an der Spitze eines rot-rot-grünen Bündnisses hat es der 58-Jährige bei seiner ersten Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin aber erst einmal schwer. Zwar betritt er am Morgen pünktlich zu Beginn der Vorbesprechungen der CDU- und SPD-Ministerpräsidenten den Bundesrat - mitmachen darf er aber noch nicht.


Die Sozialdemokraten haben sich noch nicht entschieden, ob sie ihn dabei haben wollen. Auch am Donnerstag nehmen sie sich für das Thema keine Zeit. "Wir werden das in Ruhe miteinander diskutieren", sagt die nordrhein-westfälische SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Vielleicht fällt jetzt nächste Woche vor der letzten Bundesrats-Sitzung eine Entscheidung der sogenannten A-Länder.


Während sich der Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg längst fest in dem Kreis etabliert hat, lässt die SPD den Linken Ramelow zappeln. Rot-Rot-Grün im Bundesrat bleibt zunächst Zukunftsmusik.


In großer Runde wird Ramelow vom Konferenzvorsitzenden Dietmar Woidke mit einer Flasche Weißwein Marke "Werderaner Wachtelberg" entschädigt. Ein Präsent zur Begrüßung, das auch Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller von der SPD erhält. Woidke regiert in Brandenburg mit der Linken zusammen - immerhin ein Anknüpfungspunkt für Ramelow. Die beiden duzen sich bereits.


Anschluss findet Ramelow aber auch auf der Gegenseite. Mit Hessens CDU-Regierungschef Volker Bouffier hat er mal beim selben Unternehmen gearbeitet: bei Karstadt in Gießen. Bis Donnerstag wusste der Neuling im Kreis der Ministerpräsidenten das nicht.


Dass die SPD noch eine Weile braucht, um sich mit ihm anzufreunden, kratzt Ramelow deswegen kaum. Das sei mit ihm vorher so verabredet gewesen, sagt er. "Deswegen ist alles gut."


Als Einzelkämpfer konnte Ramelow außerdem bei seinem ersten großen Auftritt in Berlin einen kleinen Erfolg verbuchen. "Eine erste Entscheidung wurde auf meine Intervention hin korrigiert", verkündete er nach der Konferenz stolz. "Ein Wort wurde geändert." Die Position der Ministerpräsidentenkonferenz für die Verhandlungen über die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern trägt jetzt den Namen "Konzept" und nicht mehr nur "Eckpunkte".

Fotos von Bodo Ramelows ersten Besuch im Kanzleramt

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