Ortsteilbürgermeister gesucht, auch Kampfkandidaturen erwartet

Erfurt. Erfurt wählt: Nur bis 11. April ist Zeit für Namensvorschläge für Ortsteilbürgermeister. 41 Amtsstellen sind zu besetzen.

Im Mai werden in Erfurt die Ortsteilbürgermeister gewählt. Grafik: Andrea Wetzel

Foto: zgt

Am 25. Mai wird groß gewählt in Erfurt: neben den Europa- und Stadtratsabgeordneten auch die 41 Ortsteilbürgermeister - und erstmals im Rahmen einer gemeinschaftlichen Wahl auch die Mitglieder der Ortsteilräte. Sie bilden bildlich gesprochen den "Stadtrat" auf Ortsteilebene. Die Anzahl der Ortsteilratsmitglieder richtet sich nach der jeweiligen Einwohnerzahl und liegt zwischen vier (Ermstedt) bis maximal zehn (Vieselbach). Der Vordruck für Namensvorschläge lag unter anderem dem jüngsten Amtsblatt der Stadt Erfurt bei.

Nur noch bis 11. April ist Zeit, um die Wahlvorschläge dafür einzureichen. Wer wird von den vertrauten Ortsteilbürgermeistern weiter machen? Wer scheidet aus? Und gibt es schon Ersatz oder bleibt in diesem Ortsteil erst mal ein weißer Amts-Fleck? Genaue Antworten gibt es nach dem 11."April; beziehungsweise zehn Tage später: Am 22."April tritt der Wahlausschuss zusammen, um die Wahlvorschläge auf ihre Gültigkeit abzuklopfen.

Genau 20 Jahre gibt es jetzt Erfurter Ortsteilbürgermeister: seit der Gebietsreform 1994 und auf der Grundlage der Thüringer Kommunalordnung. Überwiegend handelt es sich um früher selbstständige Gemeinden von Alach bis Windischholzhausen. Sie bildeten einst den Kreis Erfurt-Land.

Zu den Ortsteilbürgermeistern seit 1994 gehören beispielsweise Karola Kausch in Waltersleben, Roland Schmidt in Niedernissa, Renate Lindner in Kühnhausen und Dietrich Hagemann in Dittelstedt. Während Renate Lindner vor allem aus Altersgründen nun ausscheidet, treten die anderen zu einer fünften Wahlrunde an.

Dietrich Hagemann sagt: "Als Ortsteilbürgermeister kann man nicht nur die Sonne genießen, sondern muss auch Regen und Sturm aushalten." Ohne Meinungsverschiedenheiten geht ein solches Ehrenamt nahe am Alltag der Nachbarn nicht ab. "Aber wir helfen dem Ort, bei uns hat sich viel zum Guten verändert." Bisher ist ihm kein Gegenkandidat bekannt.

Anita Pietsch, gebürtige Gis­perslebenerin, ist Amtsinhaberin seit 1996. "Weil ich dem Ort verbunden bin, weil es Spaß macht, Dinge anzuschieben, die jetzt auch ins Rollen kommen: für die Buga, am Amtmann-Kästner-Platz, im Straßenbau. Wir haben eine gute Infrastruktur und ein gutes Vereinsleben." Ihre Erfahrungen besagen jedoch auch, "man braucht einen starken Ortsteilrat, mit guten Ideen und eine gute Zusammenarbeit mit den Ämtern der Stadt." Sie denkt mit ihrer bisherigen Arbeit zu überzeugen, auch bei einem eventuellen Gegenkandidaten.

Für die Bürgermeister in den Plattenbaugebieten ist es dagegen erst die zweite Wahlrunde. Sie gibt es erst seit 2009 in dieser Organisationsform. Alle Sieben treten unverdrossen erneut als Kandidaten an.

Insgesamt jedoch wird es bei den 41 Ortsteilbürgermeisterstellen auf neun einen Wechsel geben, weil die bisherigen Amtsinhaber nicht wieder kandidieren (siehe Karte): in Bischleben-Stedten, Frienstedt, Kerspleben und Töttleben, Kühnhausen, Linderbach, Marbach, Molsdorf, Schwerborn und Urbich.

Für Marbachs Ortsspitze soll es gleich vier Interessenten geben, für Urbich gibt es einen Namen. Nach bisherigen Informationen sind allerdings bei sieben Ortsteilen auch eine Woche vor Meldeschluss keinen Namen bekannt, nicht mal hinter vorgehaltener Hand.

In anderen Ortsteilen müssen sich dagegen auch die wieder antretenden Amtsinhaber quasi auf Kampfkandidaturen einstellen: beispielsweise in Tiefthal der Künstler Helmut Besser und in Hochheim Thomas Hartmann. Bei der vorigen Wahl lieferten sich der Einzelbewerber Hartmann und die Linke-Kandidatin Karola Stange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie treffen auch diesmal aufeinander. Und Karola Stange würde die Wahl auch annehmen. "Das schließt sich mit meiner Stadtrats- und Landtagsabgeordnetenarbeit nicht aus", stellt sie klar.

14 Tage Frist bleibt allen Gewählten nach dem 25. Mai, um zuzustimmen.

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