Pasenow wird neuer Bürgermeister in Ellrich

Ellrich  Der Familiensonntag der Pasenows in Werna ist plötzlich vorbei: Henry Pasenow erfährt von seinem Wahlsieg.

Von Null auf Hundert – Wernas Ortschef Wolfgang Krug gratuliert am Abend Henry Pasenow (CDU, 40).

Foto: Kristin Müller

Eigentlich könnte er ziemlich gelassen sein. Matthias Ehrhold (SPD) ist seit zwölf Jahren im Amt, hat viel für die Stadt erreicht, engagiert sich in Vereinen, steht beim jährlichen Frühjahrsputz am Grill, knüpfte viele Netzwerke, um Ellrich im Gespräch zu halten. Sein Herausforderer Henry Pasenow (CDU) machte ihm das Leben im Wahlkampf nicht schwer.

Und doch grummelt es Ehrhold im Magen, als er 11.30 Uhr in seinem Heimatort Woffleben den Zettel in die Wahlurne wirft. Klar, hier hat er Heimspiel, sein Nachbar macht kein Geheimnis aus seiner Wahl. Ehrhold hat die Stimme sicher. „Aber niemand kann mehr sagen, was passiert“, sagt der SPD-Mann. „Nicht immer entscheidet, was man getan hat“, richtet er seinen Blick auf überraschende Wahlergebnisse wie zuletzt in Nordhausen. Und noch etwas: Er selbst gewann 2006 überraschend gegen den damaligen Amtsinhaber.

Ehrhold muss es wohl ahnen. Am Abend bestätigt sich sein Grummeln. Derweil der Familiensonntag der Pasenows in Werna plötzlich vorbei ist: Henry Pasenow erfährt von seinem Wahlsieg. 54 Prozent der Wähler stimmten für ihn, den CDU-Kandidaten. Matthias Ehrhold muss nach zwölf Jahren den Bürgermeisterposten verlassen.

Kurz nach 19 Uhr ist Wernas Ortchef Wolfgang Krug (CDU) der Erste, der Pasenow persönlich beglückwünscht. „Ich bin selbst überrascht“, sagt er, ist sich in dieser Einschätzung einig mit CDU-Fraktionschef Günter Kirchner – und mit dem Wahlsieger selbst. Der tauscht schnell feine Schuhe gegen Schlappen, zieht über Shirt Hemd und Sacko, bereitet sich vor zur kleinen Wahlparty, die Krug spontan bei sich daheim ausruft. Vorher soll’s noch ins Rathaus gehen.

„Ich bin dabei, das Adrenalin zurückzufahren. Das ist ein Riesenvertrauensbeweis, nun werde ich hart und fleißig arbeiten“, verspricht er, der mit jedem Ergebnis zwischen „10 und 52 Prozent“ gerechnet hatte. „Schade nur, dass die Wahlbeteiligung ein bisschen nachgelassen hat.“ Nur jeder zweite Wahlberechtigte ging tatsächlich zur Urne (53,5 Prozent).

Als sich Pasenow auf den Weg ins Rathaus begeben will, ist Matthias Ehrhold längst daheim: tief enttäuscht. Er habe seine Wähler nicht mobilisieren können. „Der Protest in der Bevölkerung ist sehr groß. Ich habe klare Kante gezeigt. Aber nichts zu sagen, reicht offenbar heute schon, um Positionen in der Politik zu besetzen.“ Sein Kreistagsmandat wolle er weiter ausfüllen, über seine berufliche Zukunft werde er bis zur Amtsübergabe Ende Juni entscheiden.

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