Petrys Blaue wollen mit Parteilosen in nächsten Landtag

Neustadt  Thüringer Unternehmer sowie aus der CDU ausgetretene Politiker unterstützen die ehemalige AfD-Bundesvorsitzende.

Blauer Auftakt in Thüringen mit Frauke Petry und Jens Krautwurst.

Blauer Auftakt in Thüringen mit Frauke Petry und Jens Krautwurst.

Foto: Frank Schauka

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Frauke! Frauke! jubelten 3000 Anhänger ihr in der Grugahalle zu, damals in Essen beim Bundesparteitag der AfD, als Frauke Petry den Machtkampf gegen ihren Co-Vorsitzenden Bernd Lucke gewann – der schweigend seine Aktentasche packte und der Bühne entschlich, um wenig später, zum zweiten Mal in seinem Leben, eine Partei aus der Taufe zu heben, an die heute aber kaum noch jemand denkt. Alfa? Das war im Juli 2015. Vor einem Jahr verließ Petry als Parteivorsitzende, die per Direktmandat in den Bundestag eingezogen war, ihre Partei. Die AfD sei ihr zu völkisch geworden, bisweilen extrem rechts durchwirkt.

An diesem Donnerstagabend in Neustadt an der Orla steht Frauke Petry vorn im Augustinersaal und redet vor allem über Bildungspolitik. Von hundert Stühlen sind 60 besetzt. Eine dunkle Berliner Limousine mit Blaulicht wartet am Eingang. Aber niemand demonstriert.

„Wir brauchen eine öffentliche Debatte, und die darf nicht in Talkshows stattfinden. Die muss in den Parlamenten stattfinden. Das ist lebendige Demokratie“, sagt die 43-jährige promovierte Chemikerin, ehemalige Unternehmerin, Chorleiterin und Organistin, Mutter von fünf Kindern. Spontaner Applaus.

Es ist die Auftaktveranstaltung von Frauke Petrys „Bürgerforum Blaue Wende“ in Thüringen, dem außerparlamentarischen Arm ihrer Blauen Partei. Im nächsten Jahr bereits will sie in den Thüringer Landtag einziehen, mit einer Besonderheit: Sie öffnet die Kandidatenlisten auch für Parteilose, die politisch mitgestalten wollen.

Ein Prozent der Bevölkerung sei Mitglied einer Partei. „Aber 99 Prozent der Deutschen sind nicht unpolitisch oder haben nicht Ideen, wie man das Land verändern könnte“, sagt Petry. Es sei an der Zeit, dieses Reservoir an Menschen zu heben, die sich definitiv nicht in einer Partei engagieren würden.

Ihr Ansatz lautet: Vor allem politisch interessierte Konservative, aber auch Mitglieder anderer Parteien, sogar Grüne und Linke, vernetzen sich im „Bürgerforum Blaue Wende“, um zu debattieren. Die Blaue Partei solle in Parlamente einziehen, um politische Ziele umzusetzen.

Einige Thüringer Unternehmer sowie ehemals hochrangige CDU-Politiker stehen bereits an Petrys Seite: der Eisenacher Solarventus-Geschäftsführer Thomas Lührs ebenso wie Annette Köhler aus Unterwellenborn, die ehemalige Vorsitzende des CDU-Landesfachausschusses Wirtschaft, vor allem aber Jens Krautwurst, ehemaliger Schatzmeister der Landes-CDU. „Viele Menschen gehen nicht mehr zur Wahl und haben den Glauben an die Demokratie verloren“, sagt Annette Köhler. „Das müssen wir ändern. Ich möchte mithelfen, eine Partei aufzubauen, um die Lücke zwischen CDU und AfD zu schließen.“

Frauke Petry im Gespräch über Chemnitz, Höcke und ihre neue Blaue Partei

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