Pilotprojekt soll gegen Leerstand von Häusern in Thüringer Dörfern helfen

Erfurt. Die Zahl der Thüringer schrumpft. Trotzdem sollen auch kleine Städte und Dörfer lebenswert bleiben - Thüringen testet ein neues Förderprogramm.

Mit dem Pilotprojekt reagiere das Land auf die Gefahr, dass wegen der sinkenden Einwohnerzahl immer mehr Immobilien vor allem in Dörfern und kleinen Städten leerstehen. Im Bild: Hausruine in Dingelstädt. Archivfoto: Sigrid Aschoff

Mit dem Pilotprojekt reagiere das Land auf die Gefahr, dass wegen der sinkenden Einwohnerzahl immer mehr Immobilien vor allem in Dörfern und kleinen Städten leerstehen. Im Bild: Hausruine in Dingelstädt. Archivfoto: Sigrid Aschoff

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Thüringen will mit einem neuen Förderprogramm Investitionen in Häuser unterstützen, denen der Verfall droht. Vor allem junge Familien sollen Unterstützung bei Sanierungsprojekten erhalten, sagte Bauminister Christian Carius (CDU) der Nachrichtenagentur dpa. "Wir starten deshalb in diesem Jahr ein Pilotprojekt. Das Land zahlt einen Sanierungsbonus für Investitionen in Häuser oder Wohnungen, die leerstehen oder denen Leerstand droht." Unterstützt werden soll damit der Erhalt von Häusern in den Innenstädten oder Dorfkernen. Möglich sei ein Zuschuss von 12.000 Euro sowie eine Zulage bis zu 6000 Euro abhängig von der Zahl der Kinder.


Mit dem Pilotprojekt reagiere das Land auf die Gefahr, dass wegen der sinkenden Einwohnerzahl immer mehr Immobilien vor allem in Dörfern und kleinen Städten leerstehen. Nach Hochrechnungen drohe etwa 70 Prozent der Thüringer Kommunen dieser demografische Effekt. "Ziel ist es, gewachsene Ortsstrukturen zu erhalten", sagte Carius. Der staatliche Bonus soll für Sanierungsvorhaben mit einem Investitionsvolumen von mindestens 50.000 Euro gewährt werden.


"Die erforderliche Richtlinie wird derzeit mit dem Finanzministerium verhandelt", äußerte der Minister. Voraussichtlich ab Herbst sollen nach seinen Angaben Anträge auf die Förderung bei der Thüringer Aufbaubank gestellt werden können. Zuschüsse würden für Sanierungsprojekte ab 2015 gewährt. Die Immobilien könnten bereits ab 2010 gekauft worden sein. Das Programm richte sich an Durchschnittsverdiener, sagte Carius. "Der Chefarzt bekommt eine solche Förderung nicht."


Mit dem Pilotprojekt, das bis 2017 laufe, greife Thüringen einem von der Bundesregierung geplanten Programm vor. Das Land sehe sich als Schrittmacher für eine Förderung, "die wir vom Bund als Reaktion auf die demografische Entwicklung erwarten". Er rechne im Zeitraum bis 2017 mit etwa 1500 förderfähigen Projekten im Freistaat.


Der Leerstand ist laut Carius in einigen Thüringer Regionen, die besonders vom demografischen Wandel betroffen sind, bereits jetzt hoch. Als Beispiele nannte der Minister die Kreise Kyffhäuser, Saale-Orla oder Greiz mit einem Anteil an leerstehenden Wohnungen von mehr als acht Prozent. Der Sanierungsbonus solle vor allem jungen Leuten die Entscheidung erleichtern, statt in einen Neubau am Ortsrand in die Modernisierung des Häuschens von Eltern oder Großeltern zu investieren.

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