Polens Präsident stirbt bei Flugzeugabsturz in Russland

Beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine sind nach Angaben des Gouverneurs von Smolensk alle Insassen ums Leben gekommen. Die Maschine mit Staatschef Lech Kaczynski an Bord war beim Landeanflug auf die westrussische Stadt verunglückt. Kaczynski war zu einer Gedenkveranstaltung in Katyn unterwegs.

Das Flugzeug des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski ist im westrussischen Smolensk abgestürzt. Der Staatschef sei an Bord gewesen, teilte das polnische Außenministerium mit. Foto: AP

Das Flugzeug des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski ist im westrussischen Smolensk abgestürzt. Der Staatschef sei an Bord gewesen, teilte das polnische Außenministerium mit. Foto: AP

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Moskau/Berlin. Der polnische Präsident Lech Kaczynski und ein Großteil der Führungselite seines Landes sind am Samstag bei einem Flugzeugabsturz im westrussischen Smolensk ums Leben gekommen. Nach Angaben des Gouverneurs von Smolensk, Sergej Antufijew, überlebte keiner der Insassen der russischen Tupolew 154 das Unglück. Kaczynski wollte mit seiner Frau und einer polnischen Delegation an Feierlichkeiten zum Gedenken an die Opfer von Katyn teilnehmen. Warschau ordnete eine einwöchige Staatstrauer an.

An Bord der Maschine saßen nach polnischen Angaben neben Kaczynski auch dessen Ehefrau Maria, der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, Nationalbankchef Slawomir Skrzypek, Vize-Außenminister Andrzej Kremer und der letzte polnische Exil-Präsident, Ryszard Kaczorowski. Auch mehrere Parlamentarier und nahezu die gesamte Führung der polnischen Armee waren unter den Passagieren. Dem russischen Katastrophenschutzministerium zufolge saßen 96 Insassen in der Maschine, darunter 88 Mitglieder der polnischen Delegation. Der frühere polnische Präsident Aleksander Kwasniewski sprach mit Blick auf die Persönlichkeiten an Bord von unersetzlichen Verlusten.

Unglücksursache war offenbar ein Pilotenfehler. Wegen dichten Nebels hätten die russischen Behörden dem Piloten geraten, nicht in Smolensk, sondern in der weißrussischen Hauptstadt Minsk oder in Moskau zu landen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den polnischen Fernsehsender Polsat. Der Pilot habe sich jedoch dagegen entschieden. Ähnlich äußerte sich demnach auch ein Vertreter der weißrussischen Luftfahrtbehörde. Dem Bericht zufolge stürzte die Maschine beim vierten Landeversuch ab. Einer der Flugschreiber wurde bereits gefunden.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew beauftragte Ministerpräsidenten Wladimir Putin, den Vorfall untersuchen zu lassen. Er schickte den russischen Katastrophenschutz-Minister Sergej Schojgu nach Smolensk.

Nach dem polnischen Regierungschef Donald Tusk wollte auch Kaczynski zum Gedenken an das Massaker an etwa 22.000 Polen im Zweiten Weltkrieg nach Katyn reisen. Die Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten in der Nähe von Smolensk teil sollte keinen offiziellen Charakter haben.

Tusk hatte am Mittwoch gemeinsam mit Putin der Opfer gedacht, nachdem er von diesem offiziell eingeladen worden war. Bislang waren Regierungsvertreter aus Warschau nur auf private Initiative nach Katyn gereist. Die sowjetische Geheimpolizei hatte 1940 rund 22.000 Polen hingerichtet, deren Leichen in den Wäldern bei Katyn verscharrt wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "zutiefst bestürzt über den Flugzeugabsturz und den Tod des polnischen Präsidenten". Die Kanzlerin äußerte sich am Rande eines Besuchs beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. Für den Nachmittag kündigte sie eine ausführliche Stellungnahme an.

Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich tief betroffen. "Wir sind schockiert und voller Trauer", sagte Westerwelle in Kapstadt, wo er während seiner Afrikareise von dem Flugzeugabsturz erfuhr. "Das ganze deutsche Volk trauert mit den polnischen Nachbarn. Wir wollen dem polnischen Volk vermitteln, dass wir an seiner Seite stehen." Der Bundesaußenminister telefonierte mit seinem polnischen Kollegen Radek Sikorski und sprach ihm sein Mitgefühl aus. Auch mit Merkel sprach Westerwelle über das Unglück. Der Unfall gehe ihm "sehr nahe", sagte der Außenminister in Kapstadt. Er habe neben Kaczynski einige der Verunglückten persönlich gekannt.

Donald Tusk rief sein Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen. Die Flaggen in Warschau wurden auf Halbmast gesetzt, vor dem Präsidentenpalast legten Bürger Blumen nieder und entzündeten Kerzen.

Der 60-Jährige Kaczynski war seit Dezember 2005 Präsident und wollte sich in diesem Herbst zur Wiederwahl stellen. Seine ebenfalls verunglückte Frau Maria war Wirtschaftswissenschaftlerin. Das Paar hinterlässt seine Tochter Marta und zwei Enkelinnen.

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