Politik gegen Artenschutz: Streit um Windräder im Thüringer Wald

Erfurt  Die rot-rot-grüne Landesregierung bereitet den Ausbau von Windkraftanlagen auch im Thüringer Wald vor. Artenschützer kritisieren das Vorhaben, gerade im Hinblick auf das Insektensterben.

Windräder stehen bei Waldkirch in Baden-Württemberg im Wald.

Windräder stehen bei Waldkirch in Baden-Württemberg im Wald.

Foto: Patrick Seeger/dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ungeachtet neuester Analysen zum Zusammenhang von Insektensterben und Windkraftausbau will die rot-rot-grüne Landesregierung künftig Windräder in Thüringer Wäldern aufstellen lassen.

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sei der Ausbau von Windkraftanlagen im Wald kein Tabu mehr, sagte Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Grüne) im Landtag. Als Standorte kämen allerdings keine Flächen infrage, die für Naturschutz oder Erholung wichtig seien.

Der Leiter der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen, Martin Görner, kritisiert diese Pläne. „Windkraftanlagen haben im Wald nichts zu suchen“, sagte Görner am Donnerstag unserer Zeitung. Im Wald und über Baumkronen lebten mehr Insekten als im Offenland. Auch gebe es bisher keine Anzeichen dafür, dass das Insektensterben im Wald genauso rapide verlaufen sei wie in freier Landschaft. Der Bau von Windkrafttürmen im Wald sei ein starker Eingriff in diesen bisher geschützten Bereich und stelle deshalb eine besondere Bedrohung für Insektenpopulationen dar.

Bundesverband weist Ergebnisse zurück

Nach einer Modellanalyse von Forschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden in Deutschland während der warmen Jahreszeit täglich etwa fünf Milliarden Insekten von Windrotoren zerschlagen, pro Jahr etwa 1200 Milliarden Insekten – „eine Größenordnung, die durchaus relevant für die Stabilität der gesamten Population sein könnte“.

Der Bundesverband Windenergie weist die Ergebnisse der DLR-Analyse zurück. Sie stütze sich auf unwissenschaftliche Quellen, blende andere Einflussfaktoren aus und sei empirisch nicht abgesichert.

Staatssekretär Möller sieht das ähnlich. „Es geht außerdem nicht darum, wie viele Insekten getötet werden. Das Populationsentscheidende ist, die Habitate zu erhalten“, sagte er unserer Zeitung. Genau deshalb, betont Artenschützer Görner, dürfe nicht auch der Wald als wichtiger Lebensraum für Insekten angegriffen werden. „Die Reduzierung des Problems auf Landwirtschaft, Gärtner und Schädlingsbekämpfung ist viel zu kurz gegriffen“, sagt Görner.

In Thüringen stehen etwa 830 Windkraftanlagen. 33 kamen 2018 hinzu. In Deutschland stehen knapp 30.000 Anlagen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.