Politiker wollen Uni-Fakultät nach Mühlhausen holen

Die Fakultät für Judaistik, die an der Universität Erfurt eingerichtet werden soll, wollen SPD-Kreisvorsitzender Walter Pilger und der Juso-Kreischef Oleg Shevchenko nach Mühlhausen holen.

Die Synagoge von Mühlhausen könnte von Studenten der Judaistik als Universitätssynagoge genutzt werden. Foto: Daniel Volkmann

Foto: zgt

Mühlhausen. Das schlugen sie in einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin und den Thüringer Bildungsminister vor, auch als eine der möglichen Ausgleichsmaßnahmen nach Schließung des Bundeswehrstandortes.

Kapazitäten für die Fakultät seien vorhanden, etwa die ehemalige Rosenhofkaserne oder Teile des Berufsschulzentrums. Politisch wäre es ein wichtiges Zeichen der Landesregierung, die angekündigt habe, die Stadt und den Unstrut-Hainich-Kreis vor dem wirtschaftlichen Kollaps zu retten.

Mühlhausen habe überdies eine geweihte Synagoge, die von der Stadt getragen und als Museum genutzt werde, da es keine jüdische Gemeinde mehr gebe. Somit könne das Haus als Universitätssynagoge genutzt werden. Darüber hinaus sei eine Entscheidung für die Fakultät in Mühlhausen auch eine Entscheidung für die Wiederbelebung einer örtlichen jüdische Gemeinde, die auf eine langjährige Geschichte bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückblicken könne.

Interesse an jüdischer Kultur in Mühlhausen

Die jüdische Kultur habe die Stadt über Jahrhunderte maßgeblich bewegt und beeinflusst. Dadurch ergebe sich auch die Chance, dass jüdische Kultur in Mühlhausen wieder Fuß fasse.

Schließlich verweisen die Initiatoren darauf, dass das Interesse an jüdischer Kultur in der Mühlhäuser Bevölkerung vorhanden sei. Davon zeugten das größte Teilprojekt der Ausstellung "Arisierung in Thüringen" im Jahre 2011, die kontinuierliche Forschungen des Stadtarchivs, Veranstaltungen des Geschichtsvereins oder die 2011 zum zweiten Mal durchgeführte Stolpersteinlegung und die dazugehörige Forschungsarbeit.

Problematisch ist wohl, dass dieser Vorstoß - obschon mit gutem Inhalt - auch wieder ein Alleingang ist. Ähnlich waren in der Frage auch schon CDU und FDP vorgegangen. Fraglich ist aber, ob derartige Soli dem Bemühen von Kreis und Stadt dienlich sind, Vorschläge auf einer Prioritätenliste zu bündeln und mit einer Stimme zu reden.

Christdemokraten und Freie Demokraten haben gegenüber unserer Zeitung zugesagt, ihre Vorschläge morgen Abend im Schullandheim in die Kommission von Kreistag und Stadtrat einzubringen. Die SPD hat sich dazu noch nicht geäußert.

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