Polizei greift bei Rechtsrock-Festival durch: Ein Auftritt wird abgebrochen

Erfurt  Mehr als 2000 Neonazis feierten am Samstag in Themar. Die Sicherheitsbehörden hatten 1500 erwartet.

Bekleidet mit schwarz-weiß-roten Käppis und T-Shirts mit eindeutigem Aufdruck zeigten sich diese Besucher des Festivals in Themar.

Bekleidet mit schwarz-weiß-roten Käppis und T-Shirts mit eindeutigem Aufdruck zeigten sich diese Besucher des Festivals in Themar.

Foto: NEWS5

Mit einem Auftrittsabbruch hat die Polizei am Samstag beim Rechtsrock-Festival im südthüringischen Themar konsequent durchgegriffen. Der Sänger der Band „Brutal Attack“ sei von der Veranstaltung ausgeschlossen worden, nachdem ein verbotenes Lied gespielt wurde, bestätigt die Polizei.

„Wirklich gutes Agieren heute“, lobt Linken-Politikerin Katharina König-Preuss das Vorgehen der Polizei auf dem Kurznachrichtendienst „Twitter“. Astrid Rothe-Beinlich von den Grünen schließt sich dieser Einschätzung an.

Im Vorjahr war das Verhalten der Polizei nach einem Rechtsrock-Konzerte in Themar mit mehr als 6000 Teilnehmern kritisiert worden, weil beispielsweise „Sieg-Heil-Rufe“ und der Hitlergruß ignoriert wurden.

Mit einer Ausnahme muss die Polizei nach eigenen Angaben diesmal in Themar nur gegen Teilnehmer des Rechtsrock-Konzerts aktiv werden. Bereits am Freitag griff ein mutmaßlich der rechten Szene zugehöriger Mann einen Journalisten an. Dieser soll mit einem Faustschlag ins Gesicht attackiert worden sein. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Anzeigen erfolgen auch, weil Drogen gefunden, verbotene Symbole verwendet werden, gegen das Versammlungsrecht verstoßen und zwei Mal Volksverhetzung begangen wird. Die etwa 1000 Beamten aus Thüringen und weiteren Bundesländern erteilen drei Platzverweise und nehmen drei Personen in Gewahrsam. Insgesamt werden 84 Anzeigen gefertigt.

Besucher kommen aus dem In- und Ausland nach Themar

Trotz intensiver Aufrufe beteiligen sich etwa 300 Personen an den Protesten gegen die Hass-Musik. Organisiert wird der Widerstand vom Bürgerbündnis in Themar und dem benachbarten Kloster Veßra. Unterstützung kommt aber auch aus Arnstadt, Jena und Erfurt.

Um an Opfer rechter Gewalt zu erinnern, tragen die Demonstranten Holzkreuze zum Festival-Gelände. Erneut reisen zu einem Rechtsrockkonzert in Südthüringen deutlich mehr Teilnehmer an, als von den Sicherheitsbehörden erwartet. Der Verfassungsschutz hatte im Vorfeld von 1500 gesprochen. Die Polizei rechnete mit etwa 1000.

Die Besucher kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Frankreich, Italien, Kroatien, Norwegen, Russland, der Schweiz, der Slowakei und Tschechien, so die Polizei. Einer der Redner auf der Veranstaltung ist Rechtsanwalt Wolfgang Nahrath, Verteidiger des früheren NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben im Münchner NSU-Prozess. Wohlleben muss sich wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen vor dem Oberlandesgericht in München verantworten. Er soll die Pistole für die neun fremdenfeindlichen NSU-Morde mit beschafft haben. Seine drei Verteidiger bestreiten die Tat. Die Bundesanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft.

Das Thüringer Oberverwaltungsgericht hat ein Verbot des Kreises Hildburghausen gegen das Rechtsrock-Festival wegen des Vogelschutzes gekippt. Das Konzert ist als politische Veranstaltung angemeldet und genießt damit den Grundgesetzschutz der Versammlungsfreiheit, obwohl Eintrittskarten verkauft werden.

Zur Sache: Scharfe Kritik an gerichtlicher Entscheidung

Das rechtsradikale Rockkonzert sei eindeutig eine kommerzielle Veranstaltung gewesen sagt die Grünen-Politikerin Astrid Rothe-Beinlich. Als Mitglied einer parlamentarischen Beobachtungsgruppe habe sie sich bei einem kurzen Gang über das abgesperrte Gelände davon überzeugt, so die Abgeordnete. Es sei zu prüfen, ob es sich hier tatsächlich um eine Versammlung gehandelt habe. Auch viele Einwohner von Themar, die die von lokalen Bündnissen organisierte Protestmeile besuchten, äußerten Kritik an der gerichtlichen Entscheidung, die rechte Veranstaltung zugelassen zu haben. Einige sprachen vom „Versagen der Justiz“.

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