Radweg auf Kalibahnstrecke steht im Südharz nach Jahren wieder zur Debatte

Bleicherode  Deutsche Bahn unterbreitet Gemeinden ein Kaufangebot. Bleicherode will verhandeln, andere Orte äußern auch Skepsis.

Ein Zug fuhr schon lange nicht mehr auf den Gleisen am Bleicheröder Bahnhof vorbei. Künftig sollen dies zumindest Radfahrer können.

Ein Zug fuhr schon lange nicht mehr auf den Gleisen am Bleicheröder Bahnhof vorbei. Künftig sollen dies zumindest Radfahrer können.

Foto: Kristin Müller

Ein Radweg auf der früheren Bahnstrecke zwischen Bleicherode-Ost und Bischofferode: Was vor Jahren schon einmal im Eichsfeld gewünscht wurde, kommt nun erneut auf den Tisch. Wie Bürgermeister Frank Rostek (CDU) am Donnerstagabend im Stadtrat erklärte, habe er sich mit seinen Amtskollegen der anderen Anrainergemeinden darauf verständigt, „eventuell die Strecke zu erwerben“.

Vorige Woche habe der Bahnkonzern ein Angebot unterbreitet, so Rostek. Nach TA-Informationen soll der Quadratmeterpreis relativ günstig sein.

Schotter soll als Unterbau des Radwegs dienen

Ein erstes Gespräch habe er mit dem hiesigen Landrat geführt, nun wolle man sich um Fördermittel bemühen, deshalb beim Wirtschafts- wie beim Infrastrukturministerium vorsprechen. „Es ist eine wunderschöne Strecke“, ist Bleicherodes Stadtchef überzeugt. Der Weg könnte Orte über die Kreisgrenze hinweg verbinden, anliegende Gastronomen würden unterstützt.

Auch werde es nicht eine fünfjährige Planungsphase geben müssen. Denn die Flächen der rund 16 Kilometer langen Strecke seien eben nicht verteilt worden, vielmehr in der Hand nur eines Eigentümers: dem Bahnkonzern. Dieser veräußert das Areal derzeit an eine eigene Verwertungsgesellschaft. Geprüft wird auch, welche Brücke abgerissen wird. Erst wenn das geschehen ist, auch Schienen und Schwellen zurückgebaut sind, wollen die Gemeinden zuschlagen.

Vom Stadtrat bekam Rostek im nichtöffentlichen Teil grünes Licht für weitere Verhandlungen und Gespräche, der Kleinbodunger Gemeinderat muss eine Diskussion hierzu noch führen. Lipprechterodes Bürgermeister Jörg Kirchner (pl) zufolge steht seine Gemeinde dem Projekt positiv gegenüber. Allerdings könne die Kommune nicht die Verantwortung für die Brücken mit übernehmen. Auch in der Eichsfeld-Gemeinde „Am Ohmberg“, zu der Großbodungen wie auch Bischofferode gehören, ist man nicht per se Feuer und Flamme von der Idee eines Radwegs von Bleicherode bis Bischofferode auf der alten Bahntrasse. Ja, sagt Bürgermeister Heiko Steinecke (CDU), vor Jahren schon habe man darum gekämpft, einen solchen Radweg anzulegen. „Definitiv Interesse“ habe man auch nach wie vor an einem solchen Radweg zwischen Großbodungen und Bischofferode. Zwischen Groß- und Kleinbodungen indes liege die Sache anders: Mit dem ab Herbst geplanten Ausbau der Landesstraße entsteht auch ein straßenbegleitender Radweg zwischen beiden Orten – nur 500 bis 1000 Meter von der früheren Bahnlinie entfernt. Einen zweiten Parallelradweg brauche es nicht, sagt Steinecke und weist auf die Kosten hin. Zwischen Lipprechterode und Kleinbodungen gibt es den Radweg an der Straße bereits.

Die Stadt Bleicherode war im Jahr 2014 nur bereit, einen Teil der Strecke in ihrer Gemarkung zu kaufen: den zwischen Nordhäuser Straße und Bahnbrücke. Perspektivisch sieht das Stadtentwicklungskonzept in diesem Areal eine Wegeverbindung zwischen dem Gebiet „Harzer Stielwerke“ und der Altstadt vor.

Damals hatte Rostek vor allem die klamme Stadtkasse angeführt, ebenso eine mögliche Kontamination des Bahndamms. Nun geht er davon aus, dass der Schotter nicht entsorgt, sondern als Unterbau für eine Schwarzdecke genutzt werden kann. In Ebeleben oder Heiligenstadt seien stillgelegte Bahnlinien so in Radverbindungen verwandelt worden.