Ramelow rastet aus: „Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid“

Erfurt  Erfurt. Der linke Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, läuft gegen Linksaußen zu rhetorischer Angriffsform auf.

Zuletzt wirkte es fast so, als habe Bodo Ramelow zu einer gewissen inneren Ruhe gefunden. Foto: Alexander Volkmann

Zuletzt wirkte es fast so, als habe Bodo Ramelow zu einer gewissen inneren Ruhe gefunden. Foto: Alexander Volkmann

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Zuletzt wirkte es fast so, als habe Bodo Ramelow zu einer gewissen inneren Ruhe gefunden. Das erste Jahr als Ministerpräsident war anständig absolviert und auch der 60. Geburtstag gut überstanden: Der Linke, dessen jähes Temperament bei Kollegen und Journalisten berüchtigt ist, schien bei sich angekommen zu sein.

Nur im Internet tobte sich Ramelow immer noch ein wenig aus. An den Abenden, nach vollbrachtem Regierungstagwerk, gönnte sich der Regierungschef auf Twitter oder Facebook einige Streitereien mit Verschwörungstheoretikern oder AfD-lern, wobei ihn die linken Netzkommunarden eifrig teilten.

Auch als er den einstigen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im Internet als „Oberrassisten“ und „Dreckarsch“ bezeichnete, fanden dies seine Anhänger schwer in Ordnung. Die per „Bild“-Zeitung geäußerte Kritik von CDU-Landeschef Mike Mohring , dass der „Repräsentant eines Landes“ derlei „Tonlagen und Kraftausdrücke“ nicht benutzen sollte, war eher eine Einzelmeinung.

Ausraster von Ramelow sorgt für Empörung – und Verständnis

Nun allerdings hat sich der Linke Ramelow mit den eigenen Stoßtruppen angelegt. Seit er bei Twitter den geplanten Antifa-Aufmarsch im Dorf des AfD-Vorstehers Björn Höcke mit „Nazi-Methoden“ verglich, ist der Ministerpräsident selbst zum Ziel linksautonomer Attacken geworden.

Von Demonstranten in Halle bedrängt

Als er am Samstag in Halle den Inklusionspreis verlieh, wurde er von einigen Organisatoren der Anti-AfD-Demonstration bedrängt. Sie verlangten von ihm eine Erklärung – und erlebten einen Ministerpräsidenten im Angriffsmodus.

„Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid“, rief er, Er finde den Demonstrationsaufruf „beschissen“: „Das ist so eine intolerante Aktion!“

Als Ramelow bemerkte, dass er per Mobiltelefon aufgenommen wurde, griff er hart nach dem Handy. Der Film von der Aktion, der sich im Netz findet, endet abrupt an dieser Stelle. Das Demonstrationsbündnis behauptet, erst Personenschützer hätten es geschafft, den Ministerpräsidenten zu beruhigen.

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Auf Twitter legte später Ramelow nochmals nach. So sprach er von „Arschlöchern“ (was er aber auf Nachfrage unserer Zeitung „nur so ganz allgemein“ gemeint haben wollte). Solche Methoden der Fotoaktion kenne er von NPD-Funktionären. Dies sei „eine ganz miese Nummer“.