Ramelow rechtfertigt sich nach Corona-Verstoß auf Trauerfeier

Erfurt.  Ministerpräsident: „Es war uns einfach ein inneres Bedürfnis“

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) trägt während der Sitzung des Landtages in der Erfurter Arena einen Mundschutz.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) trägt während der Sitzung des Landtages in der Erfurter Arena einen Mundschutz.

Foto: Sascha Fromm

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nahm entgegen den Corona-Vorgaben an einer Trauerfeier teil. Das sagte er der Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wir sprachen mit ihm.

Herr Ramelow, wann hat die Beerdigung stattgefunden?

Am 25. April auf einem Friedhof und damit im Freien. Meine Frau und ich haben Mundschutz getragen und wir haben einen großen Sicherheitsabstand gehalten.

Die Verordnung Ihrer Landesregierung sah aber vor, dass nur engste Angehörige und Freunde an Trauerfeiern teilnehmen dürfen. Erkennen Sie darin kein Problem?

Meine Frau und ich haben Abschied genommen von einer lieben Nachbarin. Wir waren nicht Teil der offiziellen Trauergesellschaft. An einer Feier in der Trauerhalle, die wir jetzt wieder erlaubt haben, hätten wir nicht teilgenommen. Es war eine Urnenbeisetzung im Freien und wir standen in großem Abstand zu den anderen Personen. Es war uns einfach ein inneres Bedürfnis.

Das versteht sicher jeder. Aber als Ministerpräsident . . .

. . . war ich dort nicht. Ich war dort als Christ und Nachbar. Ich frage mich oft: Was stellt diese Krise mit uns als Menschen an? Es macht mich zum Beispiel gerade fast wahnsinnig, dass Kinder ihre Eltern und Großeltern nicht in Pflegeheime besuchen können. Oder nehmen Sie meine Frau: Sie darf schon seit Monaten nicht zu ihrer über 80 jährigen Mutter, die in Norditalien lebt, wo ja die Situation bekanntlich besonders schwierig ist.

Wie gesagt: Das versteht jeder. Aber wenn Sie sich nicht an die Vorgaben Ihrer eigenen Regierung halten: Wer soll es denn dann tun?

Ich gehe nicht davon aus, das wir die Verordnung wirklich verletzt haben. Wir haben uns im öffentlichen Raum und unter freiem Himmel bewegt. Wir sind niemanden körperlich zu nahe getreten und haben niemanden die Hand gegeben. Meine Frau und ich haben die Regeln des Infektionsschutz jederzeit gewährleistet. Wissen Sie, die Verstorbene lag uns sehr am Herzen, wir konnten uns immer auf sie verlassen, ja, sie war für uns wie ein Teil der Familie. Es hat uns deshalb sehr gequält, dass wir sie, bevor sie an Krebs starb, nicht besuchen und damit nicht persönlich Abschied nehmen konnten. An dem Tag der Beerdigung haben wir uns dann aufgemacht, um sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten – und sei es aus Distanz und der notwendigen Ferne.

FDP-Landeschef Kemmerich wurde angegriffen, weil er gegen die Auflagen verstieß. Auch Sie kritisierten ihn. Gilt da zweierlei Maß?

Nein. Denn eine Beisetzung mit ganz wenigen Angehörigen ersten Grades zu vergleichen mit einer Demonstration, die mit 50 Teilnehmern genehmigt war und auf der erkennbar über 600 Personen sehr nah beieinander unterwegs waren: Das scheint mir doch sehr zu hinken. Im Unterschied zu uns hat sich Herr Kemmerich weder an den Sicherheitsabstand gehalten noch Mundschutz getragen. Das halte ich immer noch für fahrlässig.