Rechtspopulismus-Forscher: Mord in Freiburg ist Rückenwind für AfD

Jena/Freiburg  Der Thüringer Rechtspopulismus-Forscher Matthias Quent geht davon aus, dass die Diskussion über den Mord an einer Freiburger Medizinstudentin für Aufwind bei der AfD sorgt.

Der Wissenschaftler Matthias Quent aus Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/Archiv Foto: Jan-Peter Kasper

Der Wissenschaftler Matthias Quent aus Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/Archiv Foto: Jan-Peter Kasper

Foto: zgt

Der Thüringer Rechtspopulismus-Forscher Matthias Quent geht davon aus, dass die Diskussion über den Mord an einer Freiburger Medizinstudentin für Aufwind bei der AfD sorgt.

„Ein solcher Diskurs ist absoluter Rückenwind für Rechtspopulisten“, sagt der Leiter des neuen Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. Die Polizei hatte am Samstag über die Festnahme eines 17-jährigen Afghanen informiert, der als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland gekommen war und unter Verdacht steht, Mitte Oktober eine 19 Jahre alte Studentin nach einer Party überfallen, vergewaltigt und getötet zu haben. „Deswegen Stimmung gegen eine ganze Gruppe zu machen, ist Rassismus und eine unzulässige Verallgemeinerung“, sagt Quent. Der Forscher beklagt, es werde „mit doppeltem Maß gemessen“. Jedes Jahr gebe es viele Gewaltverbrechen, die von Deutschen verübt würden. „Dann wird auch nicht unterstellt, dass die deutsche Kultur der Grund dafür ist“, gibt er zu bedenken. „Was hier geschieht, ist eine absolute Instrumentalisierung von Frauen und der Familie der Verstorbenen“, sagt der Soziologe.

Weder Sippenhaft noch Verharmlosung richtig

„Dieselbe AfD, die den Sieg des Sexisten Donald Trump bejubelt hat, setzt sich jetzt für Frauenrechte ein.“ Mit seiner Haltung zu sexuellen Übergriffen auf Frauen hatte der designierte Präsident der USA für Empörung gesorgt. „Die Instrumentalisierung und Pauschalisierung nach schrecklichen Vorfällen ist eine perfide Strategie, die aber nicht nur von Rechtspopulisten genutzt wird“, sagt Quent. Solche Fälle seien mehrfach für Stimmungsmache genutzt worden, „zum Beispiel nach der Kölner Silvesternacht, als die Vorkommnisse von Rechtspopulisten ausgebeutet wurden“.

Vonseiten der Politik sei eine Versachlichung der Debatte notwendig, fordert Quent. „Man kann einen solchen Fall thematisieren, ohne Bevölkerungsgruppen in Sippenhaft zu nehmen.“ Zugleich dürften Straftaten von Migranten nicht verharmlost werden. „Es müssen die tatsächlichen sozialen und persönlichen Ursachen aufgeklärt werden, um Wiederholungen möglichst zu verhindern.“ Es sei Aufgabe von Politikern, bei der Meinungsbildung im Sinne des Grundgesetzes mitzuwirken. „Wir alle müssen dafür sorgen, dass solche Debatten nicht in unsachliche Hassäußerungen ausarten“, sagt der Soziologe.

Flüchtling tötet Studentin - Tagesschau verzichtet auf Meldung in 20-Uhr-Nachrichten