Reginald Hanke übernimmt Bundestagssitz von Kemmerich

Breternitz/Berlin.  Der Neue im Bundestag ist Thüringer – von der FDP. Reginald Hanke rückt für Thomas L. Kemmerich nach, weil der jetzt im Landtag sitzt.

Reginald Hanke (64) sitzt seit November 2019 für die FDP im Deutschen Bundestag. Er ist nach dem Ausscheiden von Thomas L. Kemmerich nachgerückt.

Reginald Hanke (64) sitzt seit November 2019 für die FDP im Deutschen Bundestag. Er ist nach dem Ausscheiden von Thomas L. Kemmerich nachgerückt.

Foto: Foto: Fabian Klaus

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Mit dem 27. Oktober verbindet Reginald Hanke viel. Zwei Mal hat sich an diesem Tag sein Leben grundlegend verändert. 1979 heiratete er seine Frau, 2019 markiert der Tag die Klarheit darüber, dass der Liberale alsbald im Deutschen Bundestag sitzen wird.

Dafür braucht es die Thüringer Landtagswahl. Denn Thomas L. Kemmerich zieht es von Berlin zurück nach Erfurt in das Landesparlament. Weil die Thüringer FDP bei der Bundestagswahl 2017 überraschend zwei Mandate geholt hat, schlägt nun die Zeit des 64-jährigen Malermeisters in Berlin. „Ich konnte mich lange darauf vorbereiten“, sagt Hanke im Gespräch mit dieser Zeitung. Seit zwei Jahren war klar: Schafft die FDP den Wiedereinzug in den Thüringer Landtag, dann kehrt auch der Landesvorsitzende Thomas Kemmerich zurück nach Thüringen.

Hanke gehört seit wenigen Tagen offiziell der FDP-Fraktion an – und will die Stimme des Handwerks sein. Das passt zu ihm – dem Handwerksmeister durch und durch. Schon zu DDR-Zeiten macht er sich mit einer Malerfirma in Breternitz im Thüringer Wald selbstständig, siedelt aber später mit dem Unternehmen nach Saalfeld um. Dort existiert es nach wie vor, wird aber schon seit 2010 von seinen Söhnen geführt.

Als Obermeister der Malerinnung und früherer Kreishandwerksmeister setzt sich Hanke sehr stark für die Meisterausbildung ein. Sein Credo: „Der Meisterbetrieb steht für Qualität.“ Und: „Nur in einem Meisterbetrieb kann der Nachwuchs im Handwerk ausgebildet werden.“ Ein Thema, dem er sich auch politisch verpflichtet fühlt. Deshalb war es nur logisch, dass er vor wenigen Tagen die Kreishandwerkerschaft Saalfeld-Pößneck-Rudolstadt in einem Brief darüber informiert hat, dass sich die Liberalen im Bundestag zur Wiedereinführung der Meisterpflicht bekennen.

Dass ihm Ausbildung ein Herzensanliegen ist, verdeutlicht ein anderes Thema. Hanke will sich dafür einsetzen, dass 16-Jährige künftig mit „digitaler“ Begleitung Auto fahren können. Daran liegt ihm insbesondere deshalb, weil Lehrlinge kaum mit den Möglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vom Land zu ihren Berufsschulen in der Stadt kommen.

Was sich Hanke vorstellt? Ein System mit einer Fahrerkarte, die das Auto auf 90 Stundenkilometer drosselt. Den 16-Jährigen wäre es außerdem nur erlaubt, Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen zu befahren. „Mit Erreichbarkeit durch den ÖPNV lässt sich aus Berlin, Leipzig, Dresden oder Rostock argumentieren, aber nicht aus Breternitz, Kaulsdorf, Drognitz oder Katzhütte“, sagt Hanke und zieht eine Linie zu seinem ländlichen geprägten Wahlkreis.

Dass er eine steile Parteikarriere hinter sich hat, darüber muss der Mann mit dem markanten Schnauzer selbst schmunzeln. Vier Jahre liegt sein Parteieintritt zurück. Mit einem Termin bei der damaligen FDP-Generalsekretärin Nicola Beer fängt alles an. Er habe ihr einmal sagen wollen, was die FDP für das Handwerk tun könne. Daraus entwickelt sich mehr. Hanke lernt Parteichef Lindner und dann den Thüringer Landeschef Kemmerich sowie den heutigen Jenaer Oberbürgermeister Thomas Nitzsche kennen – und schätzen. Die beiden Thüringer überzeugen ihn, bei der FDP mitzumachen, seine Stimme und seine Erfahrung einzubringen – ab jetzt in der Bundestagsfraktion, wo er einer von insgesamt drei Handwerksmeistern ist.

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