Rückhalt für Chef der Ausländerbehörde Sömmerda

Sömmerda. Der wegen rassistischer Äußerungen im Fernsehen kritisierte Leiter der Ausländerbehörde Sömmerda gilt als besonders freundlich.

ARD Monitor berichtete über die Ausländerbehörde in Sömmerda. Archiv-Foto: ARD

ARD Monitor berichtete über die Ausländerbehörde in Sömmerda. Archiv-Foto: ARD

Foto: zgt

Der Leiter der Ausländerbehörde im Landratsamt Sömmerda soll seinen Posten nicht verlieren. Viele Ausländer, die zum Teil seit mehr als zehn Jahren in Sömmerda leben, wollen dem Amtschef den Rücken stärken, obwohl er mit rassistischen Äußerungen in einem Fernsehbeitrag aufgetreten war (unsere Zeitung berichtete).

"Der Mann wird ungerecht behandelt", finden die Mitglieder der Familie Nikorosjan. Das bringen die Georgier, die seit 17 Jahren in Sömmerda ihre zweite Heimat haben, im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich zum Ausdruck. Die Aussagen des Amtsleiters während des heimlich gefilmten Gespräches mit Flüchtlingen aus dem afrikanischen Bürgerkriegsland Eritrea seien aus dem Zusammenhang gerissen gewesen.

Davon sind auch Faisal Altamashi, Hisham Alattar, Muhamad Alkashlan und Ahmad Alkumatli überzeugt. Die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohenen Syrer haben den Chef der Sömmerdaer Ausländerbehörde ganz anders kennengelernt. "Mit Handschlag hat er jeden der Flüchtlinge begrüßt, als diese im September hier in Sömmerda ankamen", gibt Kevork Meloian wieder, was die Einwanderer auf Arabisch erzählen. Nicht nur höflich behandelt wurden die Ausländer vom Amtsleiter nach ihrer Schilderung. Ihnen sei auch ohne Einschränkungen und Verzug geholfen worden. Inzwischen seien sie im Sömmerdaer Wohngebiet Neue Zeit gut untergebracht und mit allem versorgt, was sie zum Leben brauchen.

Von den Flüchtlingen angeblich provoviert

Dass sie noch auf ihre Aufenthaltsgenehmigungen warten, liege nicht an der Behörde im Sömmerdaer Landratsamt.

Versäumnisse oder unangemessenes Verhalten kann auch Familie Nikorosjan keinem Mitarbeiter der Ausländerbehörde vorwerfen. Im Gegenteil: Sie seien sogar oft erst durch diese darauf hingewiesen worden, Ansprüche auch geltend zu machen. So wollten die Georgier ein Schimmelproblem in ihrer Wohnung zunächst gar nicht melden. Die Ausländerbehörde aber habe sich dahintergeklemmt und schon wenige Wochen später sei das Problem behoben gewesen.

Gelobt wird der Behördenleiter von allen der zehn anwesenden Ausländer für seine offene Art und Freundlichkeit. Die hat auch Kevork Meloian mehrfach spüren können, seit er mit seiner Mutter und zwei Brüdern vor einigen Jahren in Sömmerda ankam. Warum der Amtschef im Fernsehen ganz anders zu erleben ist, kann der junge Mann sich nur damit erklären, dass er von den Flüchtlingen aus Eritrea zuvor übermäßig provoziert worden sei. Meloian hatte selbst schon Kontakt zu den Afrikanern in seiner Nachbarschaft.

"Sie sind in ihrem Verhalten noch etwas ruppig, noch ganz in Afrika. So, wie sie es in ihrer Heimat gegenüber Amtspersonen gelernt haben." Unter den Flüchtlingen kursiere zudem der Tipp, in deutschen Amtsstuben möglichst forsch aufzutreten, um schnell Forderungen durchzusetzen. Das bestätigen die meisten der Runde.

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