Schäfer fordern mehr Schutz vor Wolf-Schäden

Schwabhausen  Eine Demonstration fand am Standortübungsplatz in Ohrdruf statt. Der Staatssekretär sagt seine Unterstützung zu. Runder Tisch am Donnerstag.

Einen Traktor mit Anhänger und Losungen an den hohen Aufbauten haben die protestierenden Schäfer an den Rand des Standortübungsplatzes Ohrdruf gefahren.

Einen Traktor mit Anhänger und Losungen an den hohen Aufbauten haben die protestierenden Schäfer an den Rand des Standortübungsplatzes Ohrdruf gefahren.

Foto: Peter Riecke

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Der Riss bei Bittstädt wirkt im Nachinein wie ein Bestätigung für die Demonstration, zu der sich rund 30 Schäfer aus der Landkreis Gotha, dem Ilmkreis und dem Wartburgkreis am Montagnachmittag am Rande des Standortübungsplatzes Ohrdruf südlich von Schwabhausen eingefunden hatten. Ein Anhänger an einem Traktor war in weiße Folie eingehüllt. Darauf die Forderung der Schäfer: „Wer den Wolf will, muss auch 100 Prozent aller Kosten, Ausfälle und Verluste tragen.“

Inmitten der Protestierenden: Olaf Möller von den Grünen, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Er brachte gleich den zuständigen Abteilungsleiter und Mitarbeiter des Referates „Arten- und Biotopschutz — Natura 2000 — Waldökologie“ mit.

Denn der Wolf ist eine über europaweite Gesetzgebung streng geschützte Art. Doch viele der Schäfer sehen mittlerweile durch ihn die Zukunft ihres Berufsstandes gefährdet. Arno Rudolf, Zuchtleiter im Thüringer Schafzuchtverband, erklärt, man habe Signale aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, dass dort Schäfer sagten, komme der Wolf in ihre Region, dann werde man die Schafe abschaffen.

Viele Schäfer seien nahe am Rentenalter und würden sich den Stress nicht mehr antun, der sich aus den Wolfrissen ergebe. Man wolle nicht, dass dies in Thüringen genauso eintrete. Man habe jetzt schon nicht mehr genug Weidetiere, um die Grünlandpflege zu gewährleisten und damit besonders schützenswerte Biotope zu bewahren, so der Fachmann unter Beifall. Die Gründlandpflege und der Schutz der Schafhaltung müsse Priorität vor dem Wolfsschutz haben. Eine schnelle Regulierung aller Schäden mahnten andere Schäfer ebenfalls an. Über Herdenschutzhunde brauche man sonst gar nicht mehr zu reden, weil den Betrieben schon vorher finanziell die Luft ausgegangen sei.

Zwei Monate Wartezeit auf Entschädigung

Olaf Möller erklärte sinngemäß, man sei auf der Seite der Schäfer, denn die ökologische Wirkung der Schaf- und Ziegenhaltung sei wichtig.

Heiß debattiert wurde, Herdenschutzhunde einzusetzen. Nicht jeder könne Herdenschutz betreiben, aber einige Schäfer wollten dies, so Arno Rudolf. Dann müsse der Versicherungsschutz geklärt sein. Zunächst soll nun die Beobachtung der Wolfspopulation verbessert werden. Zur Zeit entschädigt das Ministerium für gerissene Tiere, solange kein anderer Verursacher als der Wolf nachgewiesen wird. Schutzzäune, Flatterbänder und Herdenschutzhunde werden zu 75 Prozent gefördert.

Angesichts der aktuellen Schäden fürchten die Schäfer, dass die EU-Obergrenze der Förderung pro Betrieb (15 000 Euro innerhalb von drei Jahren) schnell erreicht ist, und erwarten die getrennte Betrachtung dieser Beträge.

Die Regulierung verläuft schleppend. Der Nebenerwerbsschäfer Michael Schneider wartet noch auf die Entschädigung eines Risses von Anfang Juli 2017. Morgen gibt es im Umweltministerium einen Runden Tisch mit Schäfern.

Ínzwischen sind die Wölfe Wahlkampfthema. Der Bundestagsabgeordnete Tankred Schipanski (CDU) fordert die Landesregierung zum Handeln auf. Der Naturschutzbund mahnt, nicht mit Ängsten der Bürger zu spielen.

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