Schütze zieht nach Wahlkrimi ins Kurstadt-Rathaus ein

Bad Sulza  Reisdorfer holt in den Dörfern der Landgemeinde Bad Sulza die entscheidenden Stimmen gegen Maik Tille (CDU)

Auch die älteste Reisdorferin ließ es sich nicht nehmen, Dirk Schütze (links) zum Wahlsieg zu gratulieren: Waltraud Denner merkt man ihre 92 Jahre kaum an. Vor der abendlichen Party hatte sie das schöne Wetter zu ihrer ersten größeren Radtour des Jahres bis hinter Auerstedt genutzt.

Auch die älteste Reisdorferin ließ es sich nicht nehmen, Dirk Schütze (links) zum Wahlsieg zu gratulieren: Waltraud Denner merkt man ihre 92 Jahre kaum an. Vor der abendlichen Party hatte sie das schöne Wetter zu ihrer ersten größeren Radtour des Jahres bis hinter Auerstedt genutzt.

Foto: Michael Grübner

Dirk Schütze wird neuer Bürgermeister der Kur­stadt und der dazugehörigen Ortsteile: Der 46-jährige Reisdorfer gewann gestern die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Maik Tille in einem denkwürdig knappen Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Wahlhelfer zählten für Schütze 1384 Stimmen, für Tille 1363 – das sind ganze 21 Stimmen mehr für den Einzelbewerber mit SPD-Parteibuch, der auch von Linken und Grünen in der Landgemeinde unterstützt wird. In Prozenten: 50,4 gegen 49,6. Die Wahlbeteiligung lag mit glatt 69 Prozent um knapp einen halben Punkt über der bei der eigentlichen Kommunalwahl vor zwei Wochen.

Wie damals gab es auch diesmal ein geteiltes Bild: Die Kernstadt Bad Sulza tendierte zu Maik Tille, der in Eckolstädt wohnt und als Verwaltungsmann in Erfurt arbeitet. In den meisten Dörfern der Landgemeinde hatte Schütze die Nase vorn. Als gegen 18.20 Uhr nur noch die Ergebnisse aus Gebstedt sowie die der Briefwähler fehlten, führte Tille mit hauchdünnen zwei Stimmen Vorsprung. Das wenige Minuten später eintreffende Gebstedter Resultat von 92:59 für Schütze entschied dann das Rennen.

Das letzte Wort hat allerdings noch der Wahlausschuss, der am heutigen Montag ab 18 Uhr im Rathaus tagt: „Bei einem so knappen Ausgang müssen wir uns natürlich insbesondere die 30 ungültigen Stimmen noch mal genau anschauen“, sagte Wahlleiter Kübek.

Vor dem Reisdorfer Wahllokal im Gemeindehaus hatten etliche Schütze-Unterstützer schon vor Auszählungsbeginn den Rost angeworfen – als das Ergebnis bekannt wurde, startete dort ein fröhliches Volksfest. Der Sieger des Abends hatte zwischen etlichen Gratulationen kaum Zeit zum Durchatmen. Dennoch wagte Dirk Schütze schon einen Blick voraus: „Als Erstes muss ich jetzt mit meinem Arbeitgeber reden“, sagte der Rettungssanitäter, der seit 1993 beim DRK beschäftigt ist. Die dortigen jährlichen Pflicht-Stunden zur Weiterbildung wolle er auch als hauptamtlicher Bürgermeister weiter wahrnehmen, „damit ich im Fall des Falles auch wieder zurückkehren könnte.“ Zudem werde er die 70-stündige Ausbildung zum aktiven Feuerwehrmann bei seiner Heimatwehr Auerstedt/Reisdorf absolvieren, um ein praktisches Fundament zu bekommen für Entscheidungen, die die Feuerwehren betreffen. Auch in Sachen Verwaltungsarbeit und -recht werde er Möglichkeiten zur Weiterbildung suchen.

Grundsätzlich strebe er nicht an, „aus einem schwarzen ein rotes Rathaus zu machen“, so Schütze. Erfolgreiche Ideen des seit 1984 in der Kurstadt amtierenden Bürgermeisters Johannes Hertwig, der Ende Juni in den Ruhestand geht, werde er fortsetzen. „Die Bürger haben es verdient, dass man hier über das Parteibuch hinweg vernünftige Entscheidungen trifft“, so Schütze. Die von vielen nicht nur im Zuge des Wahlkampfes empfundene „Spaltung“ zwischen Stadt und dörflichen Ortsteilen wolle er beenden: „Ich habe vor, die Stadt zu überzeugen, dass ich eine gute Wahl auch für sie bin.“ Gleichzeitig denkt Schütze aber auch schon in größeren Maßstäben und will die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Saaleplatte, deren Bürgermeister Jörg Hammer gestern Abend ebenfalls als Gratulant nach Reisdorf kam, sowie den eigenständigen Dörfern wie Großheringen oder Obertrebra intensivieren, die mit Bad Sulza als erfüllender Gemeinde verbunden sind.

Maik Tille, den vor seiner Kandidatur praktisch niemand in Bad Sulza kannte, nahm die Niederlage gefasst und mit Anstand hin. „Herr Schütze hat den Wählern relativ viel versprochen. Daran werden sie ihn jetzt messen. Ab heute muss er liefern“, sagte er. Er werde nach seinem Umzug von Eckolstädt nach Bergsulza zur Stadtratswahl im nächsten Jahr antreten: „Die Arbeit geht weiter.“