Schulleiterstellen bleiben im Landkreis Sömmerda auf lange Sicht vakant

Sömmerda. Wenn einer eine Reise tut... Zu erzählen haben wird Roland Merten von seiner Fahrt am Mittwoch durch den Landkreis Sömmerda und den dabei angefahrenen Stationen einiges.

Mit einem kleinen Programm begrüßten die Buttstädter Sonnenschein-Kinder ihre Gäste aus Erfurt und Sömmerda. Fotos (2): Armin Burghardt

Mit einem kleinen Programm begrüßten die Buttstädter Sonnenschein-Kinder ihre Gäste aus Erfurt und Sömmerda. Fotos (2): Armin Burghardt

Foto: zgt

Dabei blieb Merten, diplomierter Sozialarbeiter und Pädagoge, Magister sowie Doktor der Philosophie und Professor, seit 2006 Lehrstuhlinhaber für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung an der Universität Jena sowie seit November 2009 Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, im angestammten breit gefächerten Metier. Er besuchte, unter anderem begleitet vom SPD-Landtagsabgeordneten Frank Weber, die Gymnasien in Kölleda und Sömmerda, die Kindertagesstätte in Buttstädt, die Stadt- und Kreisbibliothek sowie die Ludothek in Sömmerda und die Kreisvolkshochschule.

Und: Gut daran war, dass nichts geschönt war.

Zum Auftakt eine halbe Stunde Stillbeschäftigung

Das begann gleich damit, dass Merten & Co. am Kölledaer Prof. Fritz Hofmann-Gymnasium erst einmal für eine halbe Stunde warten mussten. Unterricht ging vor. Der als Schulleiter amtierende Willi Ehrich hatte zunächst eine Vertretungsstunde abzusichern, ehe er sich Staatssekretär, Landtagsabgeordnetem und Schulamtsleiter widmen konnte.

Stillbeschäftigung für Entscheidungsträger hätte man sagen können...

Die Personalsituation am Kölledaer Gymnasium ist angespannt, die Lage dem Staatssekretär durchaus bekannt. "Das Problem sind weniger die Langzeitkranken. Da können wir mit Abordnungen und auf andere Weise einigermaßen gegensteuern", so Merten. "Große Probleme bereiten uns die kurzfristig und immer wieder erkrankenden Kollegen." Diese Ausfälle seien nicht planbar, mit einer zunehmend älteren Lehrerschaft aber auch nicht vermeidbar.

Wenn dann - wie im Kölledaer und im Fall des Sömmerdaer Albert-Schweitzer-Gymnasiums - hinzukomme, dass über Jahre die Schulleiterstelle nicht besetzt werden könne, verschlimmere sich die Situation natürlich noch. In beiden Fällen sieht Merten jedoch die Hände der politischen Entscheidungsträger gebunden. In Kölleda wie in Sömmerda fuße die Nichtbesetzung allein darauf, dass Konkurrentenklagen bei Gericht anhängig seien. Da könne man nur abwarten und das Gespräch suchen. Im Kölledaer Fall, wo der Stein des Anstoßes nicht einmal am Fritz-Hofmann-Gymnasium, sondern am Weimarer Humboldt-Gymnasium zu suchen sei, will Merten das Gespräch in den nächsten Tagen noch einmal suchen. Viel Hoffnung hat er wohl selbst nicht, hatte dafür aber Dankesworte an die übrig, die sich jetzt in Stellvertretung mehr auflasten. Mehr, als sie in einigen Fällen selbst dauerhaft aushalten können.

Schulamtsleiter sorgt sich um die Qualität

"Die Nichtbesetzung von Schulleiterstellen ist kein Zustand", sagte Mittelthüringens Schulamtsleiter Ralph Leipold. "Sie kann auf Dauer nicht ohne Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der Schule bleiben!"

In echter Sorge erkundigte er sich deshalb auch danach, ob die Kölledaer denn am Unterricht nach dem reformpädagogischen Ansatz des sogenannten Daltonplans festhalten. Sie tun es - und haben auch bei "Jugend forscht" und als der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) freundliche Schule geglänzt.

Dass allerdings am in gleicher Weise durch Lehrerausfälle und Direktoren-Absenz gebeutelten Schweitzer-Gymnasium in Sömmerda dem Staatssekretär deshalb die Teilnahme an der Schulspeisung verweigert worden wäre, stimmt so nicht. Es war von den kurzfristig angekündigten Gästen lediglich vergessen worden, die zusätzlichen Portionen zu bestellen.

Das Kontrastprogramm gab es im "Sonnenschein". In der Kindertagesstätte dieses Namens in Buttstädt übergab Merten einen Fördermittelbescheid über 50.000 Euro. Von dem Geld sollen Ausstattung und Inventar für 30 neue Plätze für Kinder unter 3 Jahren angeschafft werden. Die Mittel kommen aus dem Investitionsprogramm des Bundes zur "Kinderbetreuungsfinanzierung". Bürgermeister Hendrik Blose sieht Buttstädt mit der Entscheidung zu Ausbau und Sanierung der Kindertagesstätte auf dem richtigen Weg in die Zukunft. "Das ist wie beim Hausbau. Wir fangen mit dem Fundament an", sagte er und verwies auf sich gut entwickelnde Geburtenzahlen.

Dass auch in der Sonnenschein-Kita gut und gerne weit mehr Geld gebraucht würde, um das angedachte Kneipp-Konzept und notwendige Vorhaben umzusetzen, zeigte Leiterin Kerstin Saal bei einem Rundgang durch die Einrichtung.

Ums Geld ging es auch an den restlichen Stationen. Sowohl Bibliothek als auch Ludothek und Volkshochschule bedürfen der Förderung. Landkreis und Stadt haben sich dazu bekannt, ihre Möglichkeiten dazu aber weitestgehend ausgeschöpft.

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