So könnte Thüringens künftige Regierung aussehen

Erfurt. Nachdem der Kolaitionsvertrag von Rot-Rot-Grün steht, geht es nun darum, die Ministerien zu besetzen. Unsere Zeitung hat sich Gedanken gemacht, wie die künftige Regierung aussehen könnte.

Bei der konstituierenden Sitzung am 14. Oktober saßen die 91 Abgeordneten des Thüringer Landtages das erste Mal zusammen. Im Dezember soll die neue Regierung gebildet werden. Foto: Martin Schutt/dpa

Bei der konstituierenden Sitzung am 14. Oktober saßen die 91 Abgeordneten des Thüringer Landtages das erste Mal zusammen. Im Dezember soll die neue Regierung gebildet werden. Foto: Martin Schutt/dpa

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Ministerpräsident:

Bodo Ramelow (Linke)

Er soll am 5. Dezember als erster linker Ministerpräsident von Deutschland gewählt werden. Wie sein Kabinett besetzt wird, ist noch unklar. Wir listen die derzeit gehandelten und wahrscheinlichsten Kandidaten auf.

Minister und Chef der Staatskanzlei:

Benjamin-Immanuel Hoff (Linke)

Benjamin-Immanuel Hoff bringt in seinen 38 Lebensjahren schon fünf Jahre Regierungserfahrung mit. Von 2006 bis 2011 amtierte er als Staatssekretär im Berliner Gesundheitsressort. Hoff wird in der Staatskanzlei als klassischer Amtschef im Ministerrang arbeiten. Die Europaangelegenheiten und die Kulturpolitik übernimmt ein Staatssekretär der SPD im Kabinettsrang. Für den Bundesrat und die Berliner Landesvertretung ist ein zweiter Staatssekretär von der Linken vorgesehen.

Ministerin für Finanzen:

Heike Taubert (SPD)

Sie wollte für die SPD Ministerpräsidentin werden jetzt wird sie womöglich stellvertretende Regierungschefin. Heike Taubert (56) wird als Finanzministerin gehandelt, wobei in der SPD noch einiges in Bewegung ist. Sie besitzt als Sozialministerin Kabinettserfahrung. Auch mit Finanzen kennt sich die frühere Ronneburger Kämmerin aus. Allerdings würde sie als Finanzministerin nicht mehr für den Kommunalen Finanzausgleich zuständig sein: Dieser wandert zurück ins Innenressort.

Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz:

Dieter Lauinger (Grüne)

Offiziell ist zwar auch bei den Grünen noch nichts. Doch es besteht kaum ein begründeter Zweifel daran, dass Landeschef Dieter Lauinger (51) nach dem Justizressort greifen wird, nachdem es bei der Bundestagswahl nicht mit einem Mandat klappte. Der Richter am Erfurter Landgericht wird aber auch für die Einwanderungs- und Asylpolitik zuständig sein, die vom Innenministerium abgeknapst wird. Aus dem Sozialressort kommt zudem noch der Verbraucherschutz hinzu.

Minister für Schulen, Jugend und Sport:

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Das bisherige Bildungsministerium wird beschnitten: Hochschulen, Forschung und Kultur gehen fort. Das Großressort schrumpft wieder zum Kultusministerium, das mit den Referaten für Jugend und Sport aus dem Sozialministerium aufgehübscht wird. Gehandelt als Minister oder Staatssekretär wird der frühere GEW-Chef Torsten Wolf; wahrscheinlich ist das aber nicht. Der andere Name lautete Susanne Hennig-Wellsow. Doch die Parteichefin wird eher den Fraktionsvorsitz übernehmen.

Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Hochschulen:

Christoph Matschie (SPD)

Noch ist es nicht endgültig entschieden. Aber wer die Beharrlichkeit von Christoph Matschie (51) kennt, der ahnt, dass er auch im nächsten Kabinett zu finden sein wird. Nachdem er mit den Schulen wenig Glück hatte, soll der Ex-SPD-Chef aus dem Bildungsministerium Hochschulen und Forschung in das Wirtschaftsministerium mitnehmen. Dafür geht die Energiepolitik an das grüne Umweltressort und die Zuständigkeit für den Arbeitsmarkt an das linke Sozialministerium.

Innenministerin:

Dorothea Marx (SPD)

Sie war als Justizministerin im Gespräch, nun könnte sie Innenministerin werden: Die Sozialdemokratin Dorothea Marx (56) hat sich vor allem als Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses einen Namen gemacht. Sie kennt daher die Fährnisse des Ressorts nur zu gut, das immer wieder durch Skandale auffiel. Neben der Reform des Verfassungsschutzes müsste sie auch den Kommunalen Finanzausgleich überarbeiten. Die Migrationspolitik gibt sie an das Justizressort ab.

Ministerin für Infrastuktur und den ländlichen Raum:

Birgit Keller (Linke)

Ob Birgit Keller (55) nach gut zwei Jahren als Landrätin in Nordhausen wirklich als Ministerin nach Erfurt wechselt, ist noch nicht ausgemacht. Schließlich würde es dann im Landkreis Neuwahlen geben, mit ungewissem Ausgang. Das Ministerium ist in jedem Fall ein völlig neues. Aus dem vor zehn Jahren zusammengestoppelten Bauministerium wird eine Art Gegeninnenministerum für den ländlichen Raum: Landwirtschaft, Verkehr, Forst, Bau, Raumordnung, Landesentwicklung.

Ministerin für Umwelt und Energie:

Anja Siegesmund (Grüne)

Da hat der Bauernverband ordentlich Lobbyarbeit verrichtet: Eine grüne Oberaufseherin wollte er keinesfalls akzeptieren. Deshalb - und weil die Grünen unbedingt zwei Ressorts haben wollten - bekam die künftige Umweltministerin Anja Siegesmund (37) die Zuständigkeit für Landwirtschaft und den Wald weggenommen. Das ist der größere Teil des bisherigen Ministeriums. Als Ausgleich erhält sie die für Energiepolitik zuständigen Referate aus dem Wirtschaftsministerium.

Ministerin für Soziales und Arbeit:

?

Zumindest drei Dinge sind klar. Erstens wird das Sozialministerium die Bereiche Sport und Verbraucherschutz abgeben. Zweitens bekommt es dafür die Arbeitsmarktpolitik zugeteilt. Und drittens darf die Linke den Minister oder - was aufgrund des Proporzes wahrscheinlicher ist - die Ministerin benennen. Ansonsten ist es so, dass die Linke entweder besonders gut dicht hält oder noch sucht. Nur der Name der sächsischen Linke-Politikerin Heike Werner wird vorsichtig gehandelt.

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