Söder und sein Schüler: Bayerns Ministerpräsident unterstützt Mohring im Wahlkampf

Erfurt  Wie die CDU und ihr Multifunktionsvorsitzender Mohring endgültig den Vorwahlkampf einläuten.

Auch das gehört zur Inszenierung: Vor Pressekonferenz und Empfang am Dienstag in Erfurt setzen sich Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring (links) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für Gespräche vor die Fotografen.

Auch das gehört zur Inszenierung: Vor Pressekonferenz und Empfang am Dienstag in Erfurt setzen sich Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring (links) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für Gespräche vor die Fotografen.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Warum ist Markus Söder sein Vorbild? Auf diese Frage einer Journalistin hat Mike Mohring am Dienstagabend sofort eine Antwort. „Weil er es geschafft hat – auch in seiner Persönlichkeit – sich so weiter zu entwickeln, dass er heute ein anerkannter Ministerpräsident ist“, sagt er. Den Wandel hinzubekommen, vom Generalsekretär über den Landesvorsitzenden zum Regierungschef: „Daran orientiere ich mich gerne.“

Der Mann, der in Bayern Ministerpräsident ist, und der Mann, der es in Thüringen nach der Landtagswahl am 27. Oktober werden will, stehen in einem Seitenraum der Erfurter Messe vor den Kameras. Gleich soll der Jahresempfang der CDU-Landtagsfraktion beginnen, der mit jedem Jahr ein bisschen größer ausfällt. 3000 Menschen sind gekommen, um dabei zuzuhören, was der Landespartei- und Fraktionschef Mike Mohring zu sagen hat – und der diesjährige Hauptredner.

Der CSU-Vorsitzende Söder fügt sich ein in eine lange Liste Prominenter, zu denen nicht nur Julia Klöckner, Ursula von der Leyen oder ein gewisser Friedrich Merz gehörten, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor einem Jahr schaute Sebastian Kurz vorbei, der bald wieder Kanzler in Wien sein möchte.

Söder: „Diese Reife braucht man für ein Amt des Ministerpräsidenten.“

Wie in jedem Jahr zelebriert Mohring mit aufwendiger Präzision für die Kameras seine Freundschaft mit dem jeweiligen Ehrengast, was mal mehr, mal weniger theatralisch wirkt. Mit Bayerns Ministerpräsidenten kann Mohring aber offensichtlich wirklich gut. Schon auf der Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Union im Frühjahr in Weimar, zu der Mohring Söder einlud, hatte der Franke den Thüringer derart warm gelobt, dass es sich authentisch anhörte.

Das tut nun Söder auch in Erfurt, dafür ist er ja schließlich auch da. „Mich hat es im letzten Jahr unglaublich beeindruckt und bewegt, wie du die für dich schwierige Situation mit Courage, auch mit Optimismus gemeistert hast“, sagt er, ohne das Wort Krebs auszusprechen. „Diese Reife braucht man für ein Amt des Ministerpräsidenten.“

Auftakt für den Vorwahlkampf im Land

Das offizielle Thema des Empfangs sind 30 Jahre friedliche Revolution. Mohring erzählt, was er zurzeit sehr oft erzählt, nämlich dass er selbst im Herbst 1989 in Apolda mit 17 Jahren über die Bürgerbewegung Neues Forum in die Politik fand. Und Söder lobt noch einmal die Ostdeutschen und insbesondere natürlich die Thüringer für ihren Mut von damals. Davon, sagt er, könne man heute in ganz Deutschland insgesamt mehr gebrauchen.

Doch eigentlich geht es natürlich um etwas anderes. Eigentlich dient die Großveranstaltung als endgültiger Auftakt für den Vorwahlkampf im Land. Nachdem am Sonntag in Sachsen und Brandenburg über die Landtage abgestimmt ist, wird ab Montag dann Thüringen, wo am 27. Oktober das Parlament gewählt wird, in den nationalen Fokus geraten.

Deutsche Politik müsse optimistischer auftreten

In der Messehalle, vor den fast 3000 Parteifreunden, probt Mohring seine Wahlkampfrede. Sie beginnt mit den Bäumen, die Rot-Rot-Grün lieber sterben lasse, anstatt auf seinen Vorschlag zu hören, die Bundeswehr in den Wald zu schicken. Es folgen die Schulen, wo die „Lebensträume von jungen Menschen kaputt gemacht“ würden, weil mangels Lehrer der Unterricht ausfiele. Schließlich gelangt Mohring zu den Kommunen, die noch mehr Zuschüsse erhalten müssten.

Danach hält Markus Söder eine launige Rede voller offenkundig bewährter Anekdoten. Eine handelt von seiner Tante Hilde, die immer jammerte, und der Tante Sabine, die trotz aller Schwierigkeiten fröhlich blieb.

Die deutsche Politik, sagt der Ministerpräsident, müsse optimistischer auftreten. Sie sollte darüber diskutieren, was das Land voranbringe – und nicht darüber, wofür man noch alles Steuern erheben könne. Ansonsten bestätigt er das, was sein Schüler Mohring gesagt hat: Mehr Lehrer, mehr Geld für die Kommunen. Großer Applaus.

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren