Stadtrat und Förderverein kritisieren neue Zoo-Eintrittspreise in Erfurt

Erfurt. Die von der Stadtverwaltung geplante drastische Erhöhung der Eintrittspreise für den Zoo stößt im Stadtrat und bei den Zooparkfreunden auf scharfen Gegenwind.

Wegen der neuen Elefantenanlage sollen die Eintrittspreise für den Erfurter Zoo drastisch steigen. Foto: Marco Schmidt

Wegen der neuen Elefantenanlage sollen die Eintrittspreise für den Erfurter Zoo drastisch steigen. Foto: Marco Schmidt

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Da sämtliche Stadtrats-Fraktionen Diskussionsbedarf sehen, ist ein Inkrafttreten der Preise im August, vor der Eröffnung der Elefantenanlage, unwahrscheinlich. "Die neuen Preise sind unsozial, besonders für Kinder", sagte der Vereinsvorsitzende der Zooparkfreunde, Dietmar Schumacher. Für Kinder und andere Besucher mit Ermäßigung soll sich der Eintritt von jetzt 3,50 Euro auf 7 Euro verdoppeln.

Die hohen Preise seien einer Fehlentwicklung des Zoos geschuldet, sagte Schumacher. Während für 8 Millionen Euro eine neue Elefantenanlage entstehe, bleibe der Wegebau auf der Strecke. Auch ein Konzept, Grünflächen in Ruhezonen für Familien umzuwandeln, stehe aus. Die Zooparkfreunde investierten selbst bereits 1,5 Millionen Euro in den Zoo.

Elefantenanlage ist groß dimensioniert

Der Förderverein habe sich für eine Elefantenanlage für 3,5 Millionen Euro eingesetzt, sagte Schumacher. Zumindest hätte man bei der nun entstehenden Anlage den großen Außenbereich in zwei Abschnitten errichten können, um bei den Bau- und Betriebskosten wirtschaftlicher vorzugehen. "Eine vollständige Besetzung der Anlage wird ohnehin frühestens ins sechs Jahren erreicht", sagte er.

Kritik äußerte Schumacher auch an der Besucherstatistik, die seit Jahren geschönt würde. Auf Anweisung des früheren Direktors Thomas Kölpin seien die Jahreskarten mit "einem extremen Faktor" auf die Besucherzahlen umgerechnet worden.

Schumacher schlug eine leichte Erhöhung des Eintrittes für Erwachsene von 7 auf 8,50 Euro vor. Die Tickets für Kinder sollten konstant bleiben. Um die Erfurter besser zu stellen, die den Zoo mit ihren Steuern mitfinanzieren, regte Schumacher etwa eine vergünstigte Jahreskarte für die Sommermonate an.

Auch in der Stadtpolitik treffen das Ausmaß der Eintritts-Erhöhung sowie die Beschlussvorlage kurz vor dem geplanten Inkrafttreten auf scharfe Kritik. "Das sind Elefantenpreise", sagte der Linke-Fraktionschef André Blechschmidt. Über eine moderate Steigerung solle angesichts der Investitionen zwar nachgedacht werden. "Aber nicht in dieser Form", sagte Blechschmidt.

Zweifel an höheren Einnahmen

Michael Panse, Fraktions-Chef der CDU, sieht in der Beschlussvorlage mitten in der Sommerpause "politisches Kalkül". Bereits seit März trage die Verwaltung das Anliegen vor sich her. Bevor die Vorlage nicht in den Fachausschüssen beraten wird, werde die CDU keinesfalls zustimmen.

Laut Panse solle eine künftige Preisgestaltung Familien stärker in den Fokus rücken. Für eine fachliche Abwägung müsste den Stadträten zuvor jedoch eine genaue Analyse der Besucherstatistiken sowie eine Einschätzung der künftigen Zoodirektorin Sabine Merz vorliegen.

SPD-Fraktionschef Frank Warnecke wies auf die Investitionen der letzten Jahre hin, die eine Preiserhöhung rechtfertigten. Aber auch Warnecke kritisierte den "ungünstigen Zeitpunkt", die Vorlage einzubringen. Er geht davon aus, dass einige SPD-Stadträte die Vorlage zunächst beraten wollen.

"Mit diesen Preisen schließt die Stadt immer mehr Bürger von der Nutzung des Zoos aus", meinte Daniel Stassny, Chef der bunten Fraktion aus Freien Wählern, FDP und Piraten. Er befürchtet einen Rückgang der Besucherzahlen und bezweifelt deshalb, dass die Einnahmen wirklich steigen werden.

"Dass Erhöhungen nötig sind, steht außer Zweifel", sagte der Grüne-Fraktionschef Alexander Thumfart. "Aber wie sie erfolgen, darüber muss man reden." Und das brauche Zeit. Der Terminplan sei "sehr unglücklich".

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