Stillstand am Bleicheröder Bahnhof: Stadt müht sich um Streckenkauf

Bleicherode (Kreis Nordhausen)  Hinter dem Glas eines Schaukastens wird noch für die „Erlebnis-Draisine“ geworben, zum Bergmannsfest vor fünf (!) Jahren konnte man die Gleise gen Lipprechterode und Bleicherode-Ost vom Bleicheröder Bahnhof aus befahren.

In Bleicherodes Bahnhof fährt seit über einem Jahrzehnt kein Zug mehr ein. Die noch bestehenden Gleise verwuchern, das Empfangsgebäude steht zum Verkauf. Foto: Kristin Müller

In Bleicherodes Bahnhof fährt seit über einem Jahrzehnt kein Zug mehr ein. Die noch bestehenden Gleise verwuchern, das Empfangsgebäude steht zum Verkauf. Foto: Kristin Müller

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Längst aber wächst zwischen diesen meterhoch Gras. Im Eichsfeld mag man sich um einen Radweg auf der schon vor mehr als einem Jahrzehnt stillgelegten Bahnstrecke bis Bischofferode bemühen – im Südharz winkt man ab: „Das wäre eine interessante Idee gewesen, aber angesichts des straßenbegleitenden Radwegs bis Großbodungen nun allein von uns Kommunen zu finanzieren. Das ist schwierig“, sieht Bleicherodes Bürgermeister Frank Rostek (CDU) die Realitäten.

Nicht nur die Kalistadt, sondern auch Lipprechterode und Kleinbodungen sind knapp bei Kasse. Frank Rostek allerdings hat dennoch das Bahngelände im Blick, insbesondere den Teil im Stadtzentrum zwischen Nordhäuser Straße und der Bahnbrücke über die Löwentorstraße. Denn faktisch zerschneiden die Gleise die Stadt, sind Karl-Liebknecht-Straße, Käthe-Kollwitz-Straße und Freiherr-vom-Stein-Straße gekappt.

Jenseits der Gleise unterdessen entsteht gerade auf dem Gelände der früheren Stielwerke ein Wohngebiet. Und dieses, so Rostek, müsse näher ans Zentrum rücken. Zumindest Geh- und Radwege als Verbindungen über die Bahntrasse seien nötig. Deshalb müht sich die Stadt Bleicherode, die entsprechenden Gleisanlagen zu erwerben. „Zu überlegen wäre ja auch, den Bereich für den Wohnungsbau zu erschließen, wenn dieser altlastenfrei ist“, blickt Rostek noch weiter in die Zukunft.

Allerdings wolle die Bahntochter DB Netz AG nach wie vor die Strecke nur im Ganzen verkaufen. „Ich weiß nicht, welcher Privatmann das kaufen soll“, wundert sich Rostek. Die Pressestelle der Deutschen Bahn verweist ans Kundenmanagement von DB Services Immobilien, das am Donnerstag wiederum noch keine Auskünfte in dieser Frage geben konnte.

Es scheint, als bliebe das Bahngelände noch einige Zeit ein Schandfleck. Erst Ende August stand ein früherer Güterschuppen unmittelbar neben dem Empfangsgebäude in Flammen, vermutlich nach Brandstiftung. Im Empfangsgebäude selbst hat sich die „Rumpelkiste“ als Lokal zum Ausgehen längst etabliert, sind in den oberen Etagen einige Wohnungen vermietet.

2004 hatte der Bahnkonzern das Gebäude an die Main Asset Management GmbH veräußert, die nach eigenen Angaben mehr als 1000 Bahnhofsliegenschaften bundesweit betreut. Seit Jahren kündet an der Fassade ein Schild davon, dass man die Immobilie loswerden will. Nach Wählen der genannten Telefonnummer ließ am Donnerstag ein Mitarbeiter wissen, man suche nach wie vor einen Käufer. Nähere Auskünfte gegenüber der Presse aber erteile man nicht.

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