Streit um Kita-Betreuung: Initiative droht mit Volksbegehren

Erfurt. Ein Drittel der Kita-Erzieherinnen könnten in Thüringen durch schlechter ausgebildete und bezahlte Sozialassistenten ersetzt werden. Damit wären jährlich fast 21 Millionen Euro zu sparen. Das meint der Beirat für kommunale Finanzen, in dem Vertreter von Finanz, Innen-, Kultusministerium und von den Kommunen dazu berieten.

Der Landesförderverein Kindertagesstätten warnte davor, die Betreuungsqualität in Kindergärten zu senken. In diesem Fall werde es ein neues Kita-Volksbegehren geben, kündigte Vereinschefin Bettina Löbl am Freitag an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Landesförderverein Kindertagesstätten warnte davor, die Betreuungsqualität in Kindergärten zu senken. In diesem Fall werde es ein neues Kita-Volksbegehren geben, kündigte Vereinschefin Bettina Löbl am Freitag an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Es sind Gedankenspiele. Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) teilte mit: "Eine offizielle Empfehlung des Beirats an die politische Ebene zu diesem Themenfeld existiert nicht." Dennoch werden diesen Gedankenspiele öffentlich diskutiert. Sie gehören ganz einfach in den Alltag viele Familien.

Der Landesförderverein Kindertagesstätten warnte davor, die Betreuungsqualität in Kindergärten zu senken. In diesem Fall werde es ein neues Kita-Volksbegehren geben, kündigte Vereinschefin Bettina Löbl am Freitag an. Sie sagte: "Fakt ist: Der Finanzminister trägt die Verantwortung für diesen Beirat." "Nun ist die Katze aus dem Sack", vermutete die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen.

Verdi kündigt massiven Widerstand an

Die Gewerkschaft Verdi kündigte am Freitag "entschiedenen Widerstand gegen jegliche Qualitätsverschlechterung in Thüringer Kitas" an. Kultusminister Christoph Matschie (SPD) bleibt dabei, auf Fachkräfte zu setzen. Er lehnt niedrigere Qualitätsstandards aus Kostengründen kategorisch ab. Sein Staatssekretär Roland Merten hielt 2008 als Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Jena eine gewisse Quote von Assistenzkräften in der Kita fest. In der Studie mit dem Titel "Bedarfsgerechte Personalausstattung in Jenaer Kindertagesstätten" ging es darum, dass Thüringen deutschen Standards genügt und es heißt darin, "unter Einbezug fachlicher Mindeststandards" könnten "35,8 Prozent aller anfallenden Arbeiten durch Assistenzkräfte erledigt werden." Das schrieb die "Osterländer Volkszeitung". In Thüringen haben 2014 mehr als 90 Prozent der Erzieherinnen einen Fach- oder Hochschulabschluss. Der Bundesschnitt liegt bei 71 Prozent.

Zu möglichen Differenzen zwischen Minister und Staatssekretär sagte der Ministeriumssprecher gestern: "Thüringens guter Ruf als Kita-Land muss gewahrt bleien. Da sind Minister und Staatssekretär einer Meinung." Wissenschaft sei die eine und Politik die andere Seite.

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