Sturm, Dürre und Borkenkäfer – Thüringer Forstleute warnen vor dramatischen Waldschäden

Erfurt  Die Forderung nach 10.000 neuen Stellen in der Branche wird laut.

In diesem Sommer brannte es häufig in den deutschen Wäldern.

Foto: Julian Stähle

Angesichts der immensen Schäden in den deutschen Wäldern durch die Herbststürme des Vorjahres, die Waldbrände in diesem Sommer und den Befall mit Borkenkäfern fordert der Bund deutscher Forstleute die Schaffung von 10.000 zusätzlichen Stellen.

Ein Katastrophenjahr für den Forst

Nur auf diese Weise ließen sich die Schäden zumindest eindämmen, warnte Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bundes der Forstleute gestern in Erfurt. Allein in diesem Jahr sind nach seinen Angaben an den Wäldern Schäden in einem Umfang von rund zwei Milliarden Euro entstanden.

Besonders betroffen seien die deutschen Mittelgebirge. „Der Harz, der Thüringer Wald, das Sauerland, das Weserbergland und der Bayerische Wald mit ihren Fichtenbeständen leiden am meisten“, so Dohle. Dieses Jahr sei das trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Die Wälder hätten sich noch nicht von den Herbststürmen des Vorjahres erholt – allen voran Sturmtief Friederike – da hätten die Trockenheit und die Hitze den Bäumen zugesetzt.

Jetzt steuere man auf eine Borkenkäferplage gewaltigen Ausmaßes zu, so Dohle. „Die Forstleute sind nur noch damit beschäftigt, die Folgen von Katas-trophen zu beseitigen, ihre eigentliche Arbeit bleibt liegen“, sagte Ulrich Dohle.

Man sei mit dem Waldumbau in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. Aber aktuell gingen einfach zu viele Waldbestände wieder verloren. Es gibt laut Dohle rund 30 Millionen Festmeter an Schadholz, 300 Millionen Jungpflanzen sind vertrocknet und rund 300.000 Hektar Wald hat der Borkenkäfer vernichtet.

Das sorge auch für erhebliche Einnahmeverluste für die Waldbesitzer, da die große Menge an Schadholz die Preise in den Keller getrieben hat. Habe man noch vor Kurzem 70 bis 80 Euro für den Festmeter Holz bekommen, seien es aktuell lediglich noch 40 Euro.

Dagegen sei das Arbeitspensum für die Forstleute extrem hoch. Durch die Sparpläne der Politik habe die Branche in den zurückliegenden Jahren etwa die Hälfte des Personals verloren. „Aber die Wälder sind nicht kleiner geworden und die Ansprüche an unsere Arbeit auch nicht“, kritisierte der Landesvorsitzende von Niedersachsen, Dirk Schäfer, eine verfehlte Politik. Viele Forstbeschäftigte hätten in diesem Jahr keinen Urlaub nehmen können. „Die Tankanzeige ist auf Reserve“, umschrieb Schäfer den Belastungszustand der Mitarbeiter.

Deshalb müssen man personell aufstocken, statt weiter zu kürzen, forderte auch der Landesvorsitzende von Thüringen Andreas Schiene. In Thüringen hat sich die Zahl der Forstmitarbeiter seit 1990 von 2100 auf 1350 verringert. Nach den Sparplänen der Landesregierung werde die Beschäftigtenzahl bis zum Jahr 2020 auf nur 1000 zurückgehen, so Schiene.

Man brauche den Wald, um das Klima stabil halten zu können. Der Wald sorge für saubere Luft und sei wichtige Trinkwasserquelle. erklärte Ulrich Dohle.

Daten zur Branche und den Wäldern

  • Die Zahl der Forstleute in Deutschland hat sich seit 1990 von 60.000 auf derzeit noch 30.000 halbiert.
  • 300.000 Hektar Schadfläche durch die Dürre entsprechen der Größe von etwa 600.000 Fußballfeldern.
  • In diesem Extremsommer haben mehr als 600 Waldbrände in Deutschland eine Fläche von 2500 Hektar Wald vernichtet.
  • Die rund 30 Millionen Festmeter angefallenes Schadholz bedeuten die Lademenge von mehr als 1,5 Millionen aneinandergereihter Holz-Lastkraftwagen – eine Schlange die länger ausfallen würde als eine Fahrt um den Äquator.

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