Sügida-Redner brüllt Namen eines Journalisten auf Demo

Suhl. Ein "Bedrohungsszenario" gegen einen kritischen Reporter gab es durch einen bekannten Funktionär der NPD bei der Sügida-Kundgebung in Suhl.

In den vergangenen beiden Wochen demonstrierten montags Hunderte Sügida-Anhänger in Suhl. Unter ihnen sollen auch zahlreiche Neonazis gewesen sein. Foto: Sascha Fromm

In den vergangenen beiden Wochen demonstrierten montags Hunderte Sügida-Anhänger in Suhl. Unter ihnen sollen auch zahlreiche Neonazis gewesen sein. Foto: Sascha Fromm

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"Beim nächsten Mal brechen wir dir beide Beine." Drohungen von Rechtsextremisten wie diese hat Steffen Harzer öfter gehört, als er in Hildburghausen Bürgermeister war. Ein stadtbekannter Neonazi, der nun im Kreistag sitzt, soll außerdem gebrüllt haben: "Dein Haus wird brennen." Zeugen hörten das, derweil die Harzers schliefen. Der Krakeeler kassierte eine Strafe vor Gericht. Doch das half wenig. Erst kehrte Tommy Frenck der NPD den Rücken, weil sie ihm, wie es heißt, zu lasch vorkam. Heute zieht Frenck noch ein Stück weiter rechtsaußen, beim Bündnis Zukunft Hildburghausen, die Strippen - sowie bei Sügida in Suhl.

"Südthüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes" zieht nicht nur brave, besorgte Bürger an, die sich unverstanden wähnen. Auch mehrere Hundert Neonazis aus dem ganzen Land touren seit Kurzem montags nach Suhl. Neonazis wie der NPD-Funktionär David Köckert. Der Unternehmer aus Greiz weiß, was sich gehört. Er äußert nicht, man wolle Beine brechen oder Häuser abfackeln.

Bürgermeister: Einer ist mir ins Kreuz gesprungen

"Diese Demokratie ist keine Demokratie! Sie ist eine Scheindemokratie, die auf des Volkes Rücken ausgetragen wird!" Köckert steht auf dem Marktplatz von Suhl und schreit sich seine Seele aus dem Leib. "Und wir stehen heute hier, weil wir sagen: Wir haben die Schnauze voll!" Applaus, Applaus.

Köckert ist bei Sügida in Suhl offenkundig in seinem Element. Die Masse johlt. "Volksverräter! Volksverräter!" dröhnt es über Lautsprecher über den Platz. Es ist finster. Die Stimmung ist angeheizt, ist aufgeheizt.

Köckert sagt nicht viel - nicht zu viel. Er nennt nur Namen. "Da gibt es einen Starreporter: Herrn H.", ruft der Neonazi. "Vielleicht ist der heute da! Vielleicht kennen ihn einige! Aber seine beste Freundin auf seiner Facebook-Seite ist Katharina König!" Lautstark brüllt die Masse: buh! "Und wir wissen wohl", setzt Köckert nach, "wer das ist.

Die Linke-Landtagsabgeordnete ist bei Thüringer Neonazis so verhasst, dass sie beinahe Kultstatus genießt.

"Ich halte das für ein Bedrohungsszenario", sagte MDR-Journalist H. am Donnerstag der TA. Der anerkannte und ausgezeichnete Rechtsextremismus-Experte hat zudem die Rechtsabteilung seines Senders eingeschaltet. Doch dass Köckerts Äußerung so justiziabel ist, wie sie wohl gemeint war, lässt sich vermutlich nur schwerlich begründen.

Warum er sich in dieser Form über Herrn H. geäußert habe? "Weil er mein Busenfreund ist", sagte Köckert am Donnerstag. Mehr wollte er nicht sagen. "Am Telefon gar nicht." Vielleicht ein Treffen am Montag in Suhl. "Ich bin wahrscheinlich da."

Steffen Harzer, seit September 2014 für die Linke im Landtag, blickt zurück: "Meine Kinder, meine Ex-Frau und ich, wir waren eine Zielscheibe für Neonazis. Sie sind mir auch im Auto hinterhergefahren und haben mich angehalten. Einer ist mir ins Kreuz gesprungen."

In Suhl auf dem Markt in der Menge, dort wo kein Mikrofon die Worte eines Köckert oder Frenck verstärkt, sind auch leisere Töne zu vernehmen - die wohl Furcht verbreiten sollen.

"Ich bin von zwei Personen, die bei Sügida waren, aufgefordert worden, mich zu entfernen", sagt König. "Sonst würde man mich entfernen."

Die jungen Männer, Ende 20, Anfang 30, trugen dunkle Jacken und Mützen aus Wolle. Kein Schriftzug war darauf zu sehen, kein Slogan, der sie als Neonazis zu erkennen gab.

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