Tausende protestieren gegen 200 Thügida-Anhänger in Jena - Keine Züge ab Göschwitz

Jena  Am Mittwochabend gab es nach Angaben der Polizei zeitweise bis zu 4000 Demonstranten in der Innenstadt von Jena, die gegen einen Aufmarsch von rund 200 Thügida-Anhängern protestierten. Dazu gab es einen Fackelmarsch. Der Zugverkehr ab Jena-Göschwitz nach Camburg ist wohl bis Donnerstagmittag unterbrochen. Die Polizei nahm mehr als 20 Teilnehmer in Gewahrsam.

Gegendemonstranten am Ernst-Haeckel-Platz beim Thügida-Marsch im Stadtzentrum von Jena Foto: Tino Zippel

Gegendemonstranten am Ernst-Haeckel-Platz beim Thügida-Marsch im Stadtzentrum von Jena Foto: Tino Zippel

Foto: zgt

Gegen 18 Uhr war ausgerechnet am Geburtstag von Adolf Hitler der Start des Thügida-Aufmarsches geplant. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich jedoch erst knapp 40 Thügida-Anhänger versammelt. Der Start des Aufmarsches verschob sich um etwa eine Stunde, da ein Zug mit Thügida-Teilnehmern wegen eines Kabelschadens bei Pößneck stehen geblieben war. Bis 22 Uhr ist diese Demonstration angemeldet. Gegen 19 Uhr hatten sich dann 200 Thügida-Anhänger versammelt. Sie hatten die Auflage, dass deren Teilnehmer pro 15 Mann nur eine Fackel tragen dürfen.

Die Polizei hatte ursprünglich bei den sieben Gegendemonstrationen mit bis zu 3000, bei der Thügida mit bis zu 300 Teilnehmern gerechnet. Mehrere hundert Polizisten aus mehreren Bundesländern waren inklusive Wasserwerfern, Räumpanzer, zwei Hubschraubern und einer Hundestaffel im Einsatz.

Festnahmen, Pfefferspray, Flaschenwürfe

Es habe vor der Thügida-Kundgebung mehrere Versuche gegeben, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, sagte eine Polizeisprecherin. Während der Demonstration wurden Steine, Flaschen, so genannte Wasserbomben und Kartoffeln geworfen, die teils Personen, aber auch Fahrzeuge trafen und beschädigten. Zudem wurden mehr als 20 Demo-Teilnehmer in Gewahrsam genommen wurden. Mindestens zwei Sitzblockaden - vor dem Post-Carree sowie mit etwa 100 Teilnehmern vor der Arbeitsagentur - gab es im Vorfeld der Thügida-Kundgebung. Eine Sitzblockade habe die Polizei aufgelöst. Um den Thügida-Marschweg freizuhalten, setzte die Polizei auch Pfefferspray ein.

Hier geht‘s zum Liveticker: Sieben Gegendemonstrationen gegen Thügida-Aufmarsch in Jena

Der Jenaer Polizeichef Thomas Quittenbaum sagte am Nachmittag: „Es ist unschön, eine solche Versammlung an einem solchen Datum zu haben. Aber es war versammlungsrechtlich leider nicht zu beanstanden. Ziel ist es, ein Zusammentreffen der verschiedenen Gruppen zu vermeiden. Dazu werden die Auflagen genauestens beobachtet. Die Polizei wünscht sich einen friedlichen, aber durchaus lauten Protest.“ Quittenbaum empfand es als positiv, dass in Jena dieser Protest erkennbar ist.

youtube

Keine Züge zwischen Jena-Camburg, Bahnverkehr erheblich gestört: Anschlag möglich

Seit ca. 17.30 Uhr ist am Mittwoch der Zugverkehr zwischen Jena-Göschwitz und Camburg unterbrochen, bestätigte die Bahn auf Anfrage. Grund sei Vandalismus durch einen Kabelbrand. Ein Ersatzverkehr könne nicht eingerichtet werden. Die Sperrung soll voraussichtlich bis Donnerstag, 12 Uhr, andauern. Bei der Bundespolizei hieß es am Abend, dass ein Anschlag auf die Bahnstrecke der Grund gewesen sein könnte. Die betroffenen Züge enden und beginnen in Großheringen, Naumburg und Göschwitz. Betroffen ist auch der Verkehr auf der Saalbahn und der Mitte-Deutschland-Schiene (Umleitung).

Stadt hat vergeblich Alternativen für Thügida-Kundgebung angeboten

Die Ruhe vor dem Fackel-Aufmarsch: Jena rüstet sich für Großdemo-Tag Die Stadt wollte den Aufmarsch am Jahrestag von Adolf Hitlers Geburtstag ursprünglich verhindern und hatte stattdessen angeboten, die Kundgebung einen Tag später abzuhalten. Nach Informationen des MDR hatten die Anmelder des Thügida-Marsches jedoch auf den 20. April bestanden. Die Anmelder hätten das Gespräch abgebrochen und mit Klage gedroht, um zu zeigen, dass am Geburtstag von Hitler marschier werden dürfe.

Das Verwaltungsgericht hatte dann diese Woche entschieden, dass die Thügida mit Fackeln durch Jena marschieren darf. Die Linke-Abgeordnete Katharina König stellte außerdem eine Verbindungzwischen einem der Anmelder der Thügida-Demo, dem Kahlaer Neonazi Robert K. mit der am Dienstag festgenommenen „Gruppe Freital“ her. Diese hätten Bundesanwaltschaft Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte und linksalternative Wohnprojekte geplant. Der andere Anmelder der Thügida-Demonstration ist laut Polizei David Köckert, der für die NPD im Stadtrat Greiz und im Greizer Kreistag sitzt.

Oberbürgermeister Schröter fordert Demonstrationsverbot an sensiblen Daten

Als Konsequenz aus einem rechten Aufmarsch am Jahrestag von Adolf Hitlers Geburtstag fordert Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) ein Verbot von Demonstrationen an historisch sensiblen Daten. Es sei unmöglich, dass in Deutschland am Jahrestag „des größten Verbrechers der deutschen Geschichte“ Demonstrationen erlaubt seien, monierte der Oberbürgermeister.

Über 3000 Teilnehmer angemeldet: An diesen Standorten in Jena wird am Mittwoch demonstriert