Thilo Sarrazin lassen Proteste vor Erfurter Lesung kalt

Der umstrittene Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin liest am Mittwoch in Erfurt aus seinem Buch "Deutschland schafft sich ab". Doch die Protestler sind, wie anderswo bereits auch, schon vor ihm da. Björn Menzel sprach mit dem Sozialdemokraten über seine Kritiker, das Betreuungsgeld sowie den Erfolg der Piratenpartei.

Der ehemalige Vorstand der Deutschen Bundesbank und Autor Thilo Sarrazin stellt der Diskussionskultur vieler seiner Gegner ein schlechtes Zeugnis aus. Foto: Jörn Haufe/dapd

Der ehemalige Vorstand der Deutschen Bundesbank und Autor Thilo Sarrazin stellt der Diskussionskultur vieler seiner Gegner ein schlechtes Zeugnis aus. Foto: Jörn Haufe/dapd

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Es hat sich eine Gruppe gegründet, die unter anderem mit einer Kundgebung gegen Ihre Lesung am 9. Mai in Erfurt demonstrieren will. Was halten Sie davon?

Jeder darf demonstrieren, wofür und wogegen er möchte. Solche Leute haben allerdings, wie ich immer wieder feststelle, zu 99 Prozent mein Buch gar nicht gelesen.

Sie sind also nicht berührt von derartigen Aktionen?

Mich berührt die politische Leseschwäche, die darin zum Ausdruck kommt. Das stellt der Diskussionskultur der Betroffenen kein gutes Zeugnis aus.

Dennoch begleiten Gegenaktionen oft Ihre Lesungen?

Wir sind ein freies Land.

Die Gegner, zum Beispiel in Erfurt, sammeln sich im Internet. Unter anderem werfen sie Ihnen vor, sozialchauvinistisch zu sein.

Schon die Wortwahl zeigt, dass die Betreffenden mein Buch nicht kennen.

Sie arbeiten an einem neuen Buch zum Thema Europa und Euro, das am 22. Mai erscheinen soll. Warum dieses Thema?

Dazu sollten Sie das neue Buch lesen, wenn es erschienen ist. Danach rede ich gerne mit Ihnen darüber.

Hoffen Sie eine ähnliche Debatte anzustoßen, wie mit Ihrem bislang letzten Werk?

Ich schreibe aus Interesse an einem Thema. Man wird dann sehen, was sich für Diskussionen ergeben.

Aktuell wird in der Politik das Betreuungsgeld diskutiert. Was halten Sie von der sogenannten Herdprämie?

Eltern sind verantwortlich für die Erziehung ihrer Kinder. Wer Kinder bekommt, sollte auch die Bereitschaft haben, für sie Zeit und Geld zu opfern. Der Staat unterstützt diese Sorge um die Kinder durch ein Bildungsangebot in Form von Krippen und Kindertagesstätten. Ich finde es aber verfehlt, dass jemand dafür Geld bekommt, dass seine Kinder dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen. Nichts anderes ist das Betreuungsgeld - für mich eine ganz absurde Maßnahme.

In aktuellen Umfragen und vergangenen Wahlen war die Piratenpartei ziemlich erfolgreich. Meinen Sie, die Piraten haben langfristig Erfolg?

Das kann keiner sagen. Es war auch nicht einfach, im Jahr 1979 Aussagen über die Entwicklung der Grünen zu machen.

Suchen die Deutschen nach neuen politischen Modellen?

Solch eine Suche findet immer statt, und sie ist Teil einer lebendigen Demokratie. SPD und CDU sind ja weitgehend kaum noch unterscheidbar. Die Linkspartei ist für viele nicht wählbar. Die FDP hat sichtbare Abnutzungserscheinungen, und die Grünen sind auch nicht jedermanns Sache. Da ist es doch schön, wenn der politische Wettbewerb durch neue Gruppierungen belebt wird - vorausgesetzt, es handelt sich um Demokraten.

Denken Sie deswegen auch darüber nach, eine Partei zu gründen?

Nein, darüber denke ich nicht nach. Ich bin seit 1973 Mitglied der SPD und ich habe nicht vor, diese Partei zu verlassen, oder eine eigene zu gründen.

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/web/zgt/politik

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