Thomas L. Kemmerich und Björn Höcke im Schreibduell für die TA

Erfurt  Die Welt in einer Minute: Was ist konservativ? Kemmerich: Werte und Traditionen an moderne Bedürfnisse anpassen. Höcke: Konservatives Denken lehrt mich Bescheidenheit.

AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzender Björn Höcke. Foto: Martin Schutt/dpa

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In der Kürze liegt die Würze. Wie oft geht einem das durch den Kopf, wenn ein Redner die Welt erklärt? Die Thüringer Allgemeine hat nun ein Mittel dagegen gefunden. Eine neue Rubrik, die die Regionalzeitung in unregelmäßigen Abständen in das schnelllebige Nachrichtengeschäft einstreut: Die Welt in einer Minute.

Wir fragen Zeitgenossen nach besonderen Begriffen. Begriffe von herausragender Bedeutung, die aber im politischen, sozialen und kulturellen Alltagsgeschäft viel zu oft unter den Tisch fallen und höchstens in den langen Reden Eingang finden. Heute: Thomas L. Kemmerich (FDP) und Björn Höcke (AfD).

Der FDP- Landesvorsitzende Thomas L. Kemmerich

Wenn ich über Konservatismus spreche, ist der Liberalismus nicht auszuschließen, denn liberales Gedankengut, auch bei konservativer Haltung, ist nicht mehr wegzudenken. In einer modernen Zeit ist es wichtig, sich Identität und Sicherheit zu bewahren, die jedoch durch Technologie und Digitalität zukunftsfähig gemacht werden müssen!

Nehmen wir mal eine in die Jahre gekommene Kommode, ursprünglich nur für Kleidung vorgesehen. Sie sieht alt und eventuell verstaubt aus, wie der Konservatismus es größtenteils ist.

Das grundlegende System, der Kern der Kommode, ist nichts Schlechtes, jedoch müssen die Schienenführungen für die Schubladen nachgeölt und ihr Inhalt, nicht mehr nur beschränkt auf Kleidung, ausgetauscht oder erweitert werden. Die Farbe ist aktuellen Standards anzupassen und vielleicht bringen wir sogar ein digitales Sicherheitsschloss an, ohne bei all dem die wesentliche Funktion dieses Möbelstücks zu verändern.

Werte und Traditionen gehören unbedingt zu uns, auch zu unseren Systemen, doch sollten wir diese an moderne Bedürfnisse anpassen und auch berücksichtigen, dass jeder die Freiheit haben sollte, seine Kommode selbst einzuräumen.

Wir müssen weiterkommen, statt stillzustehen! Werden wir das Land, in dem sich die Zukunft am wohlsten fühlt!

AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzender Björn Höcke

Ich bin ein Konservativer. Und ich bin es mit Leib und Seele. Leider ist vielen die originäre Bedeutung dieses Begriffes gar nicht mehr bewusst. Sie ist verschüttet unter einem Zeitgeist, der konservativ als rückwärtsgewandt interpretiert. Darum ist es gut, dass die Thüringer Allgemeine einigen Autoren die Chance gibt, dieses Missverständnis an dieser Stelle auszuräumen.

Schon der französische Schriftsteller François-René Vicomte de Chateaubriand (1768 –1848) sagte: "Konservativ sein bedeutet nicht das Festhalten am status quo, sondern das Bewahren der Werte, die immer gelten." Redliche und bewusst im konservativen Geist handelnde Politiker müssen also immer wieder klären, was bewahrenswert – und worüber die Zeit hinweggegangen ist.

Konservatives Denken lehrt mich Bescheidenheit. Ich schätze das Gewordene, das sich bewährt hat, beispielsweise die Familie als Keimzelle von Volk und Staat oder die Nation als Rahmen für ein rechtstaatlich und demokratisch organisiertes Gemeinschaftsleben.

Die Relativierung der klassischen Familie durch das Gender-Mainstreaming oder die erzwungene Multikulturalisierung gewachsener Völker sind Produkte eines ideologisch fehlgeleiteten Machbarkeitswahns. Sie zerstören, was ich als Konservativer bewahren möchte.

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