Thüringen macht Schloss Reinhardsbrunn zur Chefsache

Nach jahrelangem Leerstand und Verfall ist Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda (Landkreis Gotha) ins Interesse der Thüringer Landesregierung gerückt. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) erklärte es gar zur Chefsache, selbst das Finanzministerium ist bereits eingebunden.

Nach jahrelangem Leerstand und Verfall interessiert sich nun die Thüringer Landesregierung für das Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda. Archiv-Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd

Nach jahrelangem Leerstand und Verfall interessiert sich nun die Thüringer Landesregierung für das Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda. Archiv-Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd

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Erfurt/Friedrichroda. "Der Zustand von Schloss Reinhardsbrunn ist eine Katastrophe, das hat mich schockiert", sagte Lieberknecht in Erfurt. Schloss und Park, deren Verkauf im Zusammenhang eines Geldwäscheverdachts in die Schlagzeilen geraten war, müssten schnellstens vor dem weiteren Verfall gerettet werden.

Das Thema soll nach Angaben von Regierungssprecherin Marion Wolf so schnell als möglich auf die Agenda des Kabinetts kommen. Wann das jedoch genau passiert, wisse sie noch nicht. Die Ministerien wüssten aber Bescheid. Warum in der Landesregierung nach jahrelangem Nichtstun nun auf einmal Hektik in Sachen Schlossrettung herrsche, könne sie nicht sagen.

Der Ministerpräsidentin liegt das historische Schloss sehr am Herzen. Sie sei bei einer Besichtigung bestürzt gewesen. "In den Gebäuden waren teilweise die Fußböden und Decken herausgerissen, es fehlen Treppen. Die Kapelle hat kein Dach mehr", sagte Lieberknecht.

Das Schloss spielt in der Geschichte Thüringens eine zentrale Rolle. Es wurde in den 1820er Jahren auf den rund 1.000 Jahre alten Ruinen eines Klosters errichtet, steht nun leer und zerfällt. In dem Gemäuer wurde Ludwig IV., der Ehemann der Heiligen Elisabeth, bestattet. Außerdem war es ein Treffpunkt des europäischen Hochadels und während der DDR-Zeit ein Nobelhotel. Nach 1989 besaß es die Treuhand und schließlich eine Gesellschaft eines Bauingenieurs aus Thüringen. Die verkaufte das Schloss an russische Investoren. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang dieses Handels.

Lieberknecht: Notfalls muss der Freistaat die Sache angehen

Mitte Dezember hatten die Behörden einen neuen Anlauf unternommen, um noch größere Schäden am Schloss zu verhindern. Die Eigentümer wurden aufgefordert, bis zum 18. Januar notdürftige Sicherungsarbeiten zu leisten, hieß es aus dem Landratsamt in Gotha. Dazu zählten etwa das Schließen vom Löchern im Dach, das Zunageln von Fenstern und das Versperren von Türen. Die Aufforderung sei nach einer Begehung des Landesamtes für Denkmalschutz beschlossen worden. Sollte dieser nicht nachgekommen werden, drohten Bußgelder, hieß es.

Der Freistaat könnte sich selbst eine Enteignung vorstellen. Nur öffentlich aussprechen möchte das noch niemand. "Notfalls muss der Freistaat selbst einspringen und die Sache in die Hand nehmen", sagte Lieberknecht zu dieser Frage. Wem die Immobilie dann allerdings zufällt, ist unklar. Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) sei eingebunden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. "Es gab erste Gespräche. Über mögliche Besitzer ist nicht diskutiert worden." Angaben über nötige Investitionen und deren Höhe seien zu früh. Es kursieren jedoch in Friedrichroda Summen von bis zu 60 Millionen Euro für eine Sanierung.

Unklar ist auch, warum das Kultusministerium nicht schon eher auf den Verfall des Schlosses aufmerksam geworden ist. Dies kümmert sich eigentlich um die Kulturschätze im Freistaat. "Wir sind nicht zuständig", lautete die kurze Antwort eines Sprechers.

Frist für notdürftige Sicherung von Schloss Reinhardsbrunn gesetzt

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