Thüringen startet Hilfsprogramm für kleine Unternehmen

Erfurt.  Kleinere Firmen können ab Montag einen Zuschuss bis 30.000 Euro beantragen. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee rechnet mit bis zu 20.000 Anträgen.

Wolfgang Tiefensee (SPD) (Archiv-Bild)

Wolfgang Tiefensee (SPD) (Archiv-Bild)

Foto: Sascha Fromm

Thüringen startet ab Montag ein Soforthilfe-Programm für kleine und mittelständische Unternehmen. Firmen mit bis zu 50 Beschäftigten, die von der Corona-Krise betroffen sind, können einen Zuschuss bis 30.000 Euro beantragen. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog

Dies schließe Einzelunternehmen, aber auch Architektur- und Ingenieurbüros oder Freiberufler ein, teilte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) mit. Das zweiseitige Antragsformular werde auf der zentralen Internetseite des Landes abrufbar sein. „Wir rechnen mit bis zu 20.000 Anträgen“, sagte er.

CDU-Fraktionschef Mario Voigt begrüßte den Beschluss: „Wir hatten uns schon am Mittwoch mit diesen Forderungen an die Landesregierung gewandt. Für die Unternehmen zählt jeder Tag“, sagte er. Der Verband der Wirtschaft Thüringen (vwt) wertet das neue Programm als richtigen Schritt. „Es ist gut, dass auch Selbstständige und Freiberufler berücksichtigt wurden“, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Fauth dieser Zeitung. „Liquiditätssicherung gehört derzeit zu den zentralen Themen der Firmen, die jetzt schnelle und unbürokratische Hilfe brauchen.“ Die Zinsen der bisher angebotenen Darlehen seien zu hoch.

Im Bund will Finanzminister Olaf Scholz (SPD) Konzerne notfalls auch mit einer befristeten staatlichen Beteiligung stützen. Die Bundesregierung plant, die Schuldenbremse zeitweilig auszusetzen.

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Währenddessen breitet sich das Coronavirus weiter aus. In Thüringen wurden bis Freitagabend mehr als 220 Infizierte gezählt. 15 Patienten sind stationär untergebracht, schwere Krankheitsverläufe gab es noch nicht. Bei einem 87-jährigen Mann, der in Jena gestorben ist, wurde der Coronavirus nachgewiesen, wie die Stadtverwaltung bestätigte. Das wäre der erste Tote in Thüringen, der mit dem Virus in Verbindung gebracht wird.

Erstmals lagen Zahlen zur Notbetreuung in den Kindergärten vor: Rund 2200 von sonst 95.000 Kita-Kindern wurden versorgt, an den Schulen waren es etwa 550 Kinder.

Ausgangssperren nicht ausgeschlossen

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schloss lokale und regionale Ausgangssperren nicht mehr aus und verwies auf eine für Sonntag geplante Telefonkonferenz der Länderchefs mit der Bundesregierung. Er betonte jedoch, dass die neuen von Bayern verfügten Maßnahmen in Teilen bereits in Thüringen gälten. Im Nachbarland tritt ab diesem Samstag ein weitgehendes Ausgangsverbot in Kraft. Ramelow kündigte an, dass das Land künftig alle nötigen Maßnahmen in der Corona-Krise direkt per Rechtsverordnung anweisen werde. Die Kommunen müssten dann keine eigene Verfügungen mehr erlassen.

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