Thüringen will "Impfturbo" für Kinder ab 12 Jahren

Elmar Otto
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Thüringen will das Impfen bei Kindern ab zwölf Jahren vorantreiben. (Symbolfoto)

Thüringen will das Impfen bei Kindern ab zwölf Jahren vorantreiben. (Symbolfoto)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Erfurt.  Bildungsminister Holter bereitet den Freistaat auf eine mögliche Zulassung des Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche vor. Sein Ziel: So viele Impfungen wie möglich schon bis zum Beginn der Sommerferien.

Thüringen bereitet sich auf eine mögliche Zulassung des Corona-Impfstoffs für Kinder ab 12 Jahren vor. „Wenn es soweit ist, müssen wir einen speziellen Impfturbo zünden“, sagte Bildungsminister Helmut Holter im Gespräch mit dieser Zeitung. Für den Fall einer verlässlichen und medizinisch tragfähigen Impfstoffzulassung sollten Heranwachsende Vorrang bei der Impfstoffversorgung bekommen. Alles Wichtige zur Corona-Pandemie in Thüringen lesen Sie in unserem Blog.

„Das ist der entscheidende Schritt heraus aus der Logik von Schulschließungen und Massenquarantäne hin zur Pandemiebekämpfung“, zeigte sich der Linke-Politiker überzeugt. Nach eignen Angaben hat er Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bereits vorgeschlagen, schnellstmöglich einen Kinder-Impfgipfel für Thüringen einzuberufen.

Biontech und Pfizer haben Impfstoff-Zulassung beantragt

Dabei sollten die praktischen Fragen mit Beteiligten wie Eltern, Lehrern und Ärzten diskutiert und geklärt werden, sagte der Bildungsminister. Es gehe unter anderem darum, welche Impfstrukturen benötigt würden, und die richtige Beratung, damit rechtskonforme freie Entscheidungen ermöglicht und gleichzeitig große Gruppen rasch geimpft werden können. Geklärt werden müsse auch, welche Rollen Schulen bei der Umsetzung spielen.

Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten am vergangenen Freitag mitgeteilt, bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt zu haben. Das Mittel ist in der EU und den USA bislang erst für Menschen ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Für die Prüfung von Zulassungsanträgen für Corona-Impfstoffe braucht die EMA in der Regel wenige Wochen. Das heißt, dass die EU-Zulassung im günstigen Fall bei einer Bearbeitungsdauer von vier bis sechs Wochen Anfang bis Mitte Juni erfolgen könnte.

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Holter plädierte dafür, nach den besten Wegen und Organisationsformen zu suchen, um vielleicht schon bis zum Beginn der Sommerferien möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die erste Impfdosis verabreichen zu können. Dem Ministerium zufolge gab es zum August des vergangenen Jahres knapp 111.000 Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahre.

Biontech und Pfizer hatten kürzlich mitgeteilt, dass eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren in den USA eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt habe. Die Impfung sei gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen hätten jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprochen, erklärten die Unternehmen.

„Kinder und Jugendliche haben mit die größte Last der Pandemie getragen. Und sie haben in besonderer Weise ein Grundbedürfnis, zügig zu einem normalen Leben zurückkehren zu können“, betonte Holter. Dafür werde er sich im Freistaat, in der Kultusministerkonferenz und gegenüber dem Bund einsetzen.