Thüringen wirbt wieder um neue Lehrer

Erfurt.  Mit der Fortsetzung seiner Werbekampagne will das Bildungsministerium neue Pädagogen für freie Stellen vor allem in Schulen in ländlichen Gebieten begeistern.

Der Lehrer Falko Kasten auf einem der Werbeplakate.

Der Lehrer Falko Kasten auf einem der Werbeplakate.

Foto: TMBJS

Falko Kasten steckt in einem weißen Raumanzug und scheint im All zu schweben. Daneben der Schriftzug: „Astronomielehrer - mehr als nur ein Job“. Im wahren Leben arbeitet er als Pädagoge an einer Regelschule in Eisenach. Julia Nürnberger trägt einen breitkrempigen Hut und einen Rucksack, hinter ihr faucht ein Dinosaurier. „Sachkundelehrerin - mehr als nur ein Job“ lautet ihre Botschaft. Wenn die junge Frau nicht gerade als Abenteurerin posiert, unterrichtet sie an der Grundschule in Greußen. Natürlich lächeln Kasten und Nürnberger sehr freundlich.

Die Begeisterung für ihren Beruf ist beiden ins Gesicht geschrieben. Sie sind auf zwei von vier neuen Motiven zu sehen, mit denen die Landesregierung ab Mitte Juni auf Plakaten an Haltestellen und anderswo im Freistaat um Nachwuchskräfte für die Schulen buhlt. Lehrer werben Lehrer. Vor allem auf dem Land werden sie gesucht, für Fächer wie Mathe und Naturwissenschaften, aber auch im musisch-künstlerischen Bereich.

Kampf gegen Pädagogenmangel und Unterrichtsausfall

Es ist die Fortsetzung einer im kommenden Jahr aus Sicht des Bildungsministeriums erfolgreichen Kampagne im Kampf gegen Pädagogenmangel und Unterrichtsausfall. In Zeiten der Corona-Pandemie sind die Anforderungen durch den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht noch größer geworden. Deshalb wird auch Digitalisierung eine stärkere Rolle einnehmen.

„Unser Ziel ist es weiter, jede frei werdende Stelle wieder zu besetzen“, betont Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Die Ausbildungsplätze im Vorbereitungsdienst sind von 600 auf 750 Plätze erhöht. Wie viele Lehrkräfte 2020 ersetzt werden müssen, lasse sich vorab nicht exakt beziffern, erläutert Referentin Lisa Bönsel. Aktuell rechne man aufs gesamte Jahr wieder mit einer Größenordnung von etwa 900. Die tatsächliche Zahl hänge davon ab, wie viele Lehrer zusätzlich zu den regulären Eintritten in den Ruhestand ihren vorzeitigen Ruhestand einreichen, arbeitsunfähig werden oder aber ihren Ruhestand hinausschieben.

Im Vorjahr 1137 wurden Lehrer neu eingestellt

Drei Agenturen haben sich mit einem gemeinsamen Konzept durchgesetzt und sollen unter anderem die Social-Media-Strategie vorantreiben, ein textbasiertes Dialogsystem für die Internetseite entwickeln sowie das komplette Lehrer-Einstellungsverfahren bis zum Spätsommer digitalisieren.

Dass im Vorjahr 1137 Lehrer neu eingestellt wurden, wird auch der ersten Kampagne zugeschrieben, deren Plakataktionen etwa 13 Millionen Sichtkontakte erzielt hätten, sagt Bönsel. Wie 2019 lässt sich das Land das Ganze 600.000 Euro kosten und hofft darauf, in den kommenden drei Jahren, sollte der bis dahin neu gewählte Landtag grünes Licht geben, weitermachen zu können.

Bönsel: „Zufriedene Lehrkräfte sind gute Multiplikatoren“

Werbung in zielgruppenspezifischen Apps hat für weitere 780.000 Sichtkontakte und 16.200 Klicks gesorgt. In sozialen Netzwerken wurde auf Stellenbörsen und Veranstaltungen der Studienseminare und Schulämter aufmerksam gemacht. Auf www.erste-reihe-thueringen.de sind weitere Informationen für eine Karriere im Schuldienst zu finden.

„Zufriedene Lehrkräfte sind gute Multiplikatoren“, ist Bönsel überzeugt. Bianca Tschakert und der Slogan „Biologielehrerin - mehr als ein Job“ stützen diese Aussage. Die Gymnasiallehrerin aus Nordhausen hat auf einem der Motive einen Taucheranzug an – und lächelt.

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