Thüringer AfD distanziert sich von verurteiltem Volksverhetzer

Erfurt. Der erst vor zwei Wochen gegründete Landesverband der "Alternative für Deutschland" (AfD) hat ein Problem. Eines ihrer rund 150 Mitglieder ist der Ilmenauer Paul Latussek, der wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Landeschef Matthias Wohlfahrt distanzierte sich von dem 77-Jährigen. Die Parteimitgliedschaft solle ausgesetzt werden, sagte er unserer Zeitung. In der nächste Woche wolle man das weitere Verfahren beraten.

Der Landesverband der "Alternative für Deutschland" (AfD) wurde erst vor zwei Wochen gegründet. Foto: dpa

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Latussek, der nach der Wende Karriere in der Deutschen Sozialen Union (DSU) gemacht hatte, sorgte später als Thüringer Landeschef und stellvertretender Bundesvorsitzender des "Bundes der Vertriebenen" (BdV) für mehrere Eklats und eine Spaltung des Landesverbandes. So publizierte er unter anderem in rechtslastigen Blättern, traf auf einer Veranstaltung der NPD auf und stellte in einem Flugblatt die deutsche Ostgrenze in Frage.

Auf einer Veranstaltung des Thüringer Vertriebenenbundes bezweifelte er 2001 öffentlich die Opferzahl des Holocaust. Die "Lügen über Katyn und Jedwabne und die Aussagen über die Opfer in Auschwitz und anderes" seien "nicht mehr länger zu halten", sagte er. "In Auschwitz gab es offensichtlich keine 6 Millionen Opfer, sondern, wie ich in Polen erfahren habe, sind 930000 nachgewiesen."

Nachdem unsere Zeitung über diese Aussagen berichtete hatte, nahm die Staatsanwaltschaft Erfurt gegen Latussek Ermittlungen wegen Volksverhetzung auf. Er musste daraufhin seine Ämter im BdV abgeben. Nach einem mehrjährigen Rechtsstreit bestätigte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Erfurter Landgerichts wegen Volksverhetzung.

AfD-Landeschef Wohlfahrt sagte, man werde in seiner Partei "keine Mitglieder mit rechtsradikalen Tendenzen" dulden. Latussek habe zudem "völlig eigenmächtig" zu einer Veranstaltung der AfD in Ilmenau eingeladen. "Das ist ohne unsere Billigung geschehen. Das haben wir ihm auch mitgeteilt", sagte Wohlfahrt. Allerdings wolle man "vor den nächsten Schritten" Latussek anhören, der derzeit in Polen weile.

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