Thüringer CDU befürchtet, dass an Schulen zu viel über Sex gesprochen wird

Erfurt. Der Bildungspolitischer Sprecher der CDU, Christian Tischner, fordert die sofortige Veröffentlichung des Thüringer Bildungsplan bis 18. Er ist der Meinung, es würde durch den Entwurf in Schulen zu viel über Sex gesprochen.

Anschauungsmaterial im Sexualkundeunterricht. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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„Männer sind, und Frauen auch...überleg dir das mal...“ Mit diesem Loriot‘schen Aufklärungskonzept käme man heute nicht weit. Das Thema Sexualität ist längst auch in den Schulen angekommen. Nur wie behandelt man die komplexen Fragen? Wie findet man die beste Form, den richtigen Zugang?

Hilfestellungen für Lehrer soll auch der „Thüringer Bildungsplan bis 18“ geben. Der ist noch nicht verabschiedet, im Internet ist lediglich ein Entwurf des wissenschaftlichen Konsortiums veröffentlicht.

Doch nach dessen Lektüre geht Christian Tischner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, schon mal in Angriffsstellung. In einer Pressemitteilung der Fraktion fällt das böse Wort von der „Frühsexualisierung“. Das ist zwar mit einem Fragezeichen versehen, doch Passagen, in denen es um die Sexualerziehung geht, bereiten ihm Kopfzerbrechen. Die stärkere Berücksichtigung der Gleichstellung von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität hätten, so Tischner, auch Eltern und Lehrer stark verunsichert.

Solche Themen sollen nicht ausgeblendet werden

Natürlich, räumt der CDU-Mann ein, können solche Themen in der Schule nicht ausgeblendet werden. Doch vor allem wenn es um Wertevermittlung und Familienbilder geht, habe das der Staat nicht den Eltern abzunehmen. Oder, um es auf einen der heftigsten Kritikpunkte zu bringen, die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der traditionellen Ehe könne nicht als übergreifender Maßstab vermittelt werden. Er fordert eine umgehende Veröffentlichung des Bildungsplans, um ihn breit diskutieren zu können.

Geht es um Moral? Es geht, sagt Christian Tischner, der selber als Lehrer gearbeitet hat, auch darum, dass seinem Ermessen nach die Schüler mit einigen im Entwurf vorgeschlagenen Inhalten überfordert wären. Zum Beispiel, zitiert er: „Diskussion über mediale Darstellungen weiblicher und männlicher Sexualität, Transsexualität (Daily-Soaps, Lieder, Internet etc)“.

Sexualerziehung über die Köpfe der Eltern hinweg

Was passieren könne, wenn Sexualerziehung über die Köpfe der Eltern hinweg versucht werde, habe man ja in Baden-Württemberg gesehen.

Dort hatte die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im Entwurf zum Bildungsplan der rot-grünen Landesregierung für heftige Kontroversen gesorgt. Es gab Petitionen und Gegenpetitionen, Gegner und Befürworter gingen auf die Straße und mussten sogar von der Polizei auseinandergehalten werden. Ein Verweis auf Baden-Württemberg treffe schon deshalb daneben, weil anders als in Thüringen ein Bildungsplan im südlichen Bundesland den Charakter eines Lehrplans hat, kontert man im zuständigen Thüringer Bildungsministerium.

Es ginge auch nicht um „Frühsexualisierung“, sondern um das Verständnis und den dem Entwicklungsstand entsprechenden Umgang mit Sexualität.

Entwurf soll ab Herbst vorgestellt werden

Von Mai 2014 bis Februar 2015 habe man für alle Interessenten die Möglichkeit für Rückmeldungen gegeben. Ein überarbeiteter Entwurf werde derzeit durch die Fachreferate im Haus geprüft, so Sprecher Andreas Müller. Selbstverständlich werde dieser Entwurf dann öffentlich gemacht. Veranschlagter Zeitpunkt: Herbst 2015.

Dann werde sich auch die Thüringer Elternschaft positionieren, so Olaf Hollunder, stellvertretender Landeselternsprecher. Massive Sorgen wegen einer drohenden „Frühsexualisierung“ im künftigen Bildungsplan bis 18 seien an die Elternvertretung seines Wissens noch nicht herangetragen worden.

Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe sei ein politisches Thema. Mit der Befürchtung, dass hier eine politische Debatte verlängert wird an einen Ort, an den sie nicht hingehört, liegt er wohl nicht ganz falsch. Im Übrigen verweist er auf diejenigen, die am Ende vor den Schülern stehen: Die Lehrer. Und die Erwartung, dass sie mit den Eltern darüber reden, wie sie solche Themen mit den Schülern behandeln werden.

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