Thüringer Grüne wollen im Wahlkampf mit AfD-Wählern sprechen

Erfurt  Gegen die Partei kämpfen, aber mit den Anhängern reden: Das ist Teil der Strategie der Grünen für die Landtagswahl – die sich neben der rot-rot-grünen Koalition notfalls auch eine Vierparteien-Koalition unter CDU-Führung vorstellen können.

Anja Siegesmund, Thüringens Umweltministerin und Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl.

Anja Siegesmund, Thüringens Umweltministerin und Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl.

Foto: Martin Schutt

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Die Thüringer Grünen planen vor der Landtagswahl am 27. Oktober einen offenen Dialog mit potenziellen AfD-Wählern. „Manche wollen ganze Landstriche aufgeben und sagen, dort wählen eh die meisten AfD“, sagte Spitzenkandidatin und Umweltministerin Anja Siegesmund. „Aber da mache ich nicht mit.“

„Unser Ziel ist der Zusammenhalt der Gesellschaft, wir wollen eine weitere Spaltung verhindern“, erklärte ihr Co-Spitzenkandidat Dirk Adams. Deshalb werde seine Partei mit „allen Wählern und Wählerinnen das Gespräch“ suchen, gleichzeitig aber auch „mit aller Kraft der AfD und ihren rassistischen, menschenfeindlichen Positionen entgegentreten“, sagte der Landtagsfraktionschef. Er und die anderen fünf Abgeordneten beginnen am Dienstag in Weimar ihre Jahresklausur.

Siegesmund sagte, dass der vorhergesagte Erfolg der AfD bei den Wahlen in Sachsen und Brandenburg am 1. September ein politisches Beben auslösen und die Situation in Thüringen zusätzlich aufheizen könnten. Sie bekräftigte, dass ihre Partei trotzdem einen eigenständigen Wahlkampf führe. „Wir wollen Rot-Rot-Grün fortsetzen“, erklärte sie. Aber: „Falls es nicht reicht, sind wir für eine andere Mehrheitsregierung bereit.“ Dabei sei ihr eine Vierparteien-Koalition mit CDU, SPD und FDP lieber als eine Minderheitsregierung, die auf AfD-Stimmen angewiesen sein könnte. „Das wäre mit uns nicht zu machen“, sage die Ministerin.

Die Grünen liegen in jüngsten Umfragen erstmals zweistellig bei 10 bis 11 Prozent. Bei der Landtagswahl im September 2014 waren sie noch bei 5,7 Prozent gelandet. Trotzdem reicht es in den Erhebungen vor allem aufgrund der Schwäche der SPD nicht für eine gemeinsame linke Mehrheit. Gleichzeitig würde es aber auch für eine CDU-geführte Vierparteien-Regierung knapp.

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