Thüringer Tafeln rechnen mit Ansturm durch Kurzarbeit

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Erfurt.  Die Thüringer Tafeln rechnen mit einem drastischen Anstieg der Bedürftigen. Doch die Lebensmittelausgaben haben mit vielen Problemen zu kämpfen, bekommen aber keine finanzielle Unterstützung.

Mitarbeiter packen Lebensmittel in Kisten für Bedürftige in der Tafel in Blankenhain, die auch Zulieferer für viele Tafeln in Thüringen ist.

Mitarbeiter packen Lebensmittel in Kisten für Bedürftige in der Tafel in Blankenhain, die auch Zulieferer für viele Tafeln in Thüringen ist.

Foto: Bodo Schackow / dpa

Die Thüringer Tafeln rechnen durch die angekündigte Kurzarbeit in vielen Betrieben mit einem drastischen Anstieg der Bedürftigen. Auch die Schließung von Kindergärten und Schulen stellt vor allem sozial schwache Familien vor finanzielle Probleme – sie müssen mehr Lebensmittel kaufen.

„Wer von seinem ohnehin schon knappen Lohn oder Gehalt nur noch etwas mehr als die Hälfte bekommt, steht schnell vor unseren Türen“, befürchtet Nico Schäfer, Vorsitzender der Tafeln in Thüringen. „Auch wenn das Geld für feste Größen wie Miete oder Autokredit noch gerade so reicht, fehlt es dann für Lebensmittel.“ Doch die sind in den 27 derzeit noch geöffneten Thüringer Tafeln selbst knapp. Denn durch die Hamsterkäufe sind in den Supermärkten die Regale leer, zum Abgeben bleibt kaum noch etwas übrig.

Ältere Helfer fehlen bei der Lebensmittelausgabe

„Vor allem Frischware wie Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst fehlen in fast allen Einrichtungen“, beklagt der Tafel-Chef. Rund 17.000 Bedürftige werden allein in Thüringen von den Tafeln regelmäßig unterstützt, bundesweit sind es 1,7 Millionen Menschen.

Neben sozial schwachen Familien, Flüchtlingen und Obdachlosen kommen immer mehr Rentner zu den Ausgabestellen, so Schäfer. Auch viele der ehrenamtlichen Helfer sind bereits im höheren Alter, gehören damit zur Corona-Risikogruppe und fehlen derzeit in vielen Tafeln. „Doch überall melden sich junge Leute, die helfen wollen“, freut sich der Thüringer Tafel-Leiter über das Engagement in Krisenzeiten.

Doch selbst wenn die Regale voll und Helfer vor Ort sind, gibt es ein Problem: Viele Tafelkunden kommen nicht, aus Angst, sich im Gedränge anzustecken. „Dem haben die Kolleginnen und Kollegen vorgesorgt. So werden beispielsweise die Ausgabezeiten gestreckt, Lebensmittel möglichst im Freien verteilt und nicht mehr ganze Familien, sondern nur noch einzelne Mitglieder in die Ausgabestellen gelassen.“ Auch die neuen Hygienestandards werden streng eingehalten: „Wir packen die Lebensmittel vorab ein, desinfizieren regelmäßig Griffe, Regale und Körbe, achten auf den Abstand“, versichert etwa Wilfried Schramm, der die Tafel in Jena leitet.

Keine Finanzhilfen des Landes für die Tafeln

Trotz aller Bemühungen fordert Nico Schäfer eine stärkere Unterstützung durch die Politik: „Für fast alle Bereiche des Alltags wurden millionenschwere Schutzschirme aufgelegt. Aber dass die Tafeln bislang vergessen wurden, enttäuscht uns bitter. Das muss schnellstens korrigiert werden.“

Wer helfen möchte: das Spendenkonto lautet DE89 8205 1000 0125 0222 20. Empfänger: Diakonie Mitteldeutschland. Für eine Spendenquittung bitte unter Verwendungszweck die Anschrift angeben. Die Tafeln melden sich bitte unter hesse@diakonie-ekm.de.

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