Tierwohlstrategie: 236 Millionen Euro für artgerechte Tierhaltung in Thüringen

Erfurt  Größere Ställe, kein Anbinden, kein Beschneiden: Landesregierung beschließt am Dienstag Tierwohlstrategie für Thüringen.

Tierwohlstrategie soll Haltung artgerechter machen. Für Kühe heißt das unter anderem: Mehr Liegeflächen im Stall. Archivfoto: Peter Michaelis

Foto: Peter Michaelis

Um das Leben der Nutztiere in Thüringen zu verbessern, sollen nach Willen der Thüringer Landesregierung bis zu 173 Millionen Euro in Ställe und Haltung investiert werden. Hinzu kommen zusätzlich bis zu 63 Millionen Euro für eine tierfreundlichere Bewirtschaftung. Das Land will dafür verstärkt Fördergelder zur Verfügung stellen, darunter insbesondere aus EU-Programmen. Zusätzliche Landesmittel sind bisher nicht konkret vorgesehen. Sie sollen nach „Maßgabe des Haushalts“ fließen.

Damit summiert sich der theoretische Gesamtaufwand für die Tierwohlstrategie, die am Dienstag im Landeskabinett beschlossen werden soll, auf 236 Millionen Euro. Darin sind allerdings noch nicht die Kosten für Weiterbildung und Beratung enthalten. Das 86-seitige Papier liegt dieser Zeitung vor.

Ziel der Strategie ist es, die Gesundheit der Tiere zu verbessern, ihr mögliches Leiden zu vermindern und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Allerdings setzt der Beschluss vor allem auf Empfehlungen.

So will das Land künftig die Züchtung von Rindern ohne Hörner fördern, um die Enthornung der Tiere zu vermeiden. Auch soll mittelfristig verboten werden, die Tiere anzubinden. Mittelfristig verschwinden dürften die sogenannten Vollspaltenböden, durch die Kot und Urin abfließen können, aber die für die Tiere große Verletzungsgefahren bergen. ­

Offenställe bevorzugt

Beim Neu- oder Umbau von Rinderställen muss künftig die Liegefläche so bemessen sein, dass alle Tiere gleichzeitig liegen können, heißt es. Überhaupt empfiehlt das Land sogenannte Außenklima- oder Offenställe und Weidehaltung.

Bei Schweinen präferiert die Landesregierung die Gruppenhaltung, das Abschneiden (Kupieren) der Schwänze soll vermieden werden. Außerdem müssen auch hier die Tiere mehr Platz bekommen, um sich artgerecht verhalten zu können. Die Haltung in sogenannten Kastenständen, in denen die Tiere einzeln eingesperrt sind, wird in der Regel nicht mehr möglich sein.

Bei Puten und Legehennen sollen die Schnäbel nicht mehr gekürzt werden. Zur systematischen Tötung von Küken, deren Mast angeblich nicht wirtschaftlich ist, äußert sich das Land nicht eindeutig. Die „derzeitige Tötung der männlichen Eintagsküken“ sei ein „Hauptkritikpunkt an der Legehennenhaltung“ heißt es nur allgemein in dem Text. Das Geflügel soll in den Ställen seine Grundbedürfnisse wie Picken, Scharren und Staubbaden ausleben können.

Entwurf sorgte für viel Kritik

Agrarministerin Birgit Keller und Sozialministerin Heike Werner (beide Linke) wollen die Strategie an diesem Mittwoch vorstellen. Bereits der Entwurf hatte bei seiner ersten Vorstellung vor einem Jahr für teils heftige Kritik gesorgt. Ökobauern gingen die Vorgaben nicht weit genug. Die Grünen fühlten sich nicht ausreichend eingebunden.

Allerdings trägt jetzt Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) die Vorlage offenkundig mit. Im Rahmen der Abstimmung innerhalb der Landesregierung setzte sie einige Änderungen durch. So wurde auch die „Weidehaltung für Milchkühe“, die Haltung von Schweinen auf Stroh sowie von Legehennen in Mobilställen in die Strategie aufgenommen.

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