Umfrage: Rot-Rot-Grüne Mehrheit in Thüringen schrumpft

Erfurt.  Laut einer aktuellen Umfrage hat Rot-Rot-Grün in Thüringen noch eine knappe Mehrheit. Allerdings bekäme die Koalition weniger Stimmen als noch im Juli.

Ein halbes Jahr der zweiten Amtszeit ist vorbei: Bodo Ramelow (Linke) nach seiner Wiederwahl als Ministerpräsident am 4. März dieses Jahres.

Ein halbes Jahr der zweiten Amtszeit ist vorbei: Bodo Ramelow (Linke) nach seiner Wiederwahl als Ministerpräsident am 4. März dieses Jahres.

Foto: Martin Schutt / dpa

Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre, käme die aktuelle rot-rot-grüne Minderheitsregierung im Landtag auf eine knappe Mehrheit. Das ergab die aktuelle Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag dieser Zeitung.

Allerdings schrumpft der Anteil der Koalitionsparteien im Vergleich zur Erhebung Ende Juli. Die Linke verliert zwei Prozentpunkte und liegt bei 33 Prozent. Die SPD hält sich bei 9 Prozent, derweil die Grünen einen Punkt einbüßen und nun an der 5-Prozent-Hürde liegen.

Die Koalition besäße nur deshalb noch eine Mehrheit im Landtag, weil die FDP mit vier Prozent den Wiedereinzug verpasste und die „sonstigen Parteien“ um zwei Prozentpunkte zulegen. CDU und AfD liegen jeweils bei 22 Prozent, wobei die AfD im Vergleich zur letzten Umfrage leicht wächst.

Insa-Chef: „Neuwahlen bei einer solchen Ausgangslage wären ein Abenteuer“

Die Umfrage wurde in den vergangenen zehn Tagen unter 1012 Menschen in Thüringen telefonisch und online durchgeführt. Angesichts der üblichen Fehlertoleranz wirkt eine rot-rot-grüne Mehrheit noch ungewisser als zuvor. Gleichzeitig ist für Union und FDP, die beide eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen haben, erst recht keine Mehrheit absehbar.

„Neuwahlen bei einer solchen Ausgangslage wären ein Abenteuer“, sagt Insa-Chef Hermann Binkert. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es auch danach keine klareren Mehrheitsverhältnisse gibt als derzeit.“

Allerdings kämen Linke und Union gemeinsam auf eine solide Mehrheit. Dagegen stehen aber bislang der Großteil der Landes-CDU sowie der Abgrenzungsbeschluss der Bundespartei.

Bei Direktwahl käme Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) auf 42 Prozent

Eine theoretisch mögliche Lösung wäre die Direktwahl eines Ministerpräsidenten. Die von der Linken vorgeschlagene Verfassungsänderung befürworten 71 Prozent der Thüringer, darunter auch 70 Prozent der CDU-Anhänger.

Bei einer Direktwahl käme Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) auf 42 Prozent. Alle denkbaren Konkurrenten der anderen Parteien erhielten nur einstellige Ergebnisse.