„Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ in Erfurt

Erfurt.  In Erfurt trifft sich am Wochenende ein rechtskonservatives Netzwerk, um sich um neue, andere Mehrheiten zu bemühen.

Hans Georg Maaßen bei einer Veranstaltung der „Werteunion“ im Januar im Eichsfeld. Auch Vera Lengsfeld war da schon dabei.

Hans Georg Maaßen bei einer Veranstaltung der „Werteunion“ im Januar im Eichsfeld. Auch Vera Lengsfeld war da schon dabei.

Foto: Eckard Jüngel

Vielleicht ist der Titel ja selbstironisch gemeint. Vielleicht aber auch nicht. Der Veranstalter, der Publizist Klaus Kelle, war für diese Zeitung nicht erreichbar, weder telefonisch noch per E-Mail. Fest steht wohl: Am Wochenende soll in Erfurt die „Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ stattfinden.

Der Ort wird nur jenen bekannt gegeben, die sich angemeldet haben. Zur fünften Auflage soll neben dem früheren Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen und dem „Junge Freiheit“-Chefredakteur Peter Stein auch die Ex-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld reden. Sie gab im Thüringer Landtagswahlkampf eine Gratiszeitung mit heraus, in der für eine Zusammenarbeit der CDU mit einer gemäßigten AfD ohne ihren Landeschef Björn Höcke plädiert wurde.

Vielen Referenten lassen sich dem national- und rechtskonservativen Lager zuordnen

Ebenfalls dabei: Holger Thuß, dessen Jenaer Eike-Institut sich zur Aufgabe gemacht hat, den menschengemachten Klimawandel zu widerlegen, oder der frühere CDU-Staatssekretär und Chef des Erfurter Insa-Meinungsforschungsinstituts Hermann Binkert, der auch im Auftrag dieser Zeitung Umfragen durchführt.

Erfurter Weihbischof Hauke sagt Auftritt ab

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke, der zunächst ebenfalls auf der Rednerliste stand, wird nun doch nicht an der Tagung teilnehmen. Der Geistliche habe seine Zusage am Donnerstag wieder gegenüber dem Veranstalter zurückgezogen, sagte ein Sprecher des katholischen Bistums Erfurt dieser Zeitung. Gründe dafür nannte er nicht.

Journalisten und Polizisten unter Rednern

Vielen Referenten, zu denen Polizisten, Journalisten und christliche Aktivisten gehören, lassen sich dem national- und rechtskonservativen Lager zuordnen – oder der „Neuen Rechten“, wie linke Kritiker behaupten. So wird darauf verwiesen, dass Maaßen der prominenteste Vertreter des CDU-Vereins „Werteunion“ ist, dem inzwischen auch Lengsfeld angehört.

Das Antifa-Magazin „Der rechte Rand“ spricht von einer „Sammlungsbewegung rechts von der CDU“, die Verschwörungstheorien, Klimawandelskepsis und Antifeminismus vertrete und im Übrigen der AfD nahestehe.

Thüringer AfD offiziell nicht vertreten

Die Landespartei Höckes ist allerdings nicht offiziell vertreten. Weder unter den geplanten Rednern noch auf in der im Internet einsehbaren Gästeliste finden sich bekannte Vertreter der Partei. Höckes Co-Landesparteichef Stefan Möller sagt, er wisse von niemandem aus der Landtagsfraktion, der teilnehmen wolle. Und selbst wenn: Es spreche ja wohl nichts dagegen, „wertkonservative Positionen“ auszutauschen.

In einem Interview sagte Klaus Kelle zum Sinn der Veranstaltungsreihe, die im Jahr zuvor in Berlin stattfand: „Ich bin überzeugt, bei Migration und Sicherheit – innerer wie äußerer – bei Marktwirtschaft, Familie, in Teilen EU und beim Gender-Gaga wäre eine andere Mehrheit vorstellbar.“ Diese Mehrheit kommt aber nicht zum Tragen, „weil die Protagonisten nicht miteinander reden wollen“.

„Deutschland-Dinner“ mit einer „Deutschland-Rede“ geplant

In Erfurt wird also nun auch geredet. Die Titel der Gesprächsgruppen sind Programm: „Die Familie stärken“, „Den Rechtsstaat durchsetzen“, „Den Glauben verteidigen.“ Am Samstagabend ist ein „Deutschland-Dinner“ geplant, mit einer „Deutschland-Rede“ der Berliner Medizinstudentin Larissa Fußer von der Hayek-Gesellschaft, der neben Konservativen und Liberalen auch führende AfD-Politiker angehören.

Partner oder Sponsoren der Veranstaltung sind hauptsächlich rechte Publikationen und christliche Vereinigungen, aber auch der Verein „Bürger für Thüringen“, dem die Landtagsabgeordnete Ute Bergner angehört – die, das ist eine der vielen Besonderheiten in Thüringen, ihre FDP-Mitgliedschaft ruhen lässt.